Zweithund ja oder nein?
Ein Leben mit zwei Hunden: Was sich verändert und wie du eine gute Entscheidung triffst

Zweithund ja oder nein? Viele Hundehalter wünschen sich einen Gefährten für ihren ersten Hund. Doch mit einem zweiten Hund verändert sich mehr als nur das Zusammenleben der Hunde. Auch deine Rolle als Hundehalter verändert sich. In diesem Artikel nehme ich dich mit in mein Leben mit Ellie und Quentin und zeige dir, was sich nach dem Einzug eines Zweithundes verändert, welche Fragen du dir vorher stellen solltest und warum aus einem Mensch-Hund-Team plötzlich ein Rudel wird. Und wahrscheinlich wird dich mein Fazit am Ende überraschen.

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Inhaltsverzeichnis:

Ein Zweithund soll einziehen – schöner Gedanke. Der Hund bekommt Gesellschaft, man selbst hat zwei Hunde und irgendwann laufen alle gemeinsam durch den Wald. So zumindest stellen es sich viele Hundehalter vor.

Auch ich habe im Laufe meines Lebens immer wieder einen Zweithund aufgenommen. Angefangen bei unserem Golden Retriever Rex über Trinity, Paul und Ellie bis zu Quentin. Mit jedem neuen Hund veränderte sich unser Zusammenleben und mit ihm auch mein Alltag. Ich begann Beziehungen zu beobachten, Entscheidungen für zwei unterschiedliche Charaktere zu treffen und lernte, wie sich ein Rudel entwickelt.

Heute würde ich sagen: Mit einem Zweithund zieht nicht einfach ein weiterer Hund ein. Es verändern sich Gewohnheiten, Entscheidungen und das Zusammenleben mit beiden Hunden. Die meisten dieser Dinge sind mir erst aufgefallen, als Quentin längst bei uns lebte.

Vorteile eines Zweithundes Nachteile eines Zweithundes
Gesellschaft für den ersten Hund: Besonders, wenn der erste Hund gerne mit anderen Hunden spielt oder Gesellschaft liebt, kann ein Zweithund für viel Freude und Abwechslung sorgen. Hunde sind soziale Tiere, die den Kontakt zu Artgenossen meistens schätzen. Doppelte Verantwortung: Es ist nicht zu unterschätzen, wie viel Zeit, Energie und Ressourcen es kostet, zwei Hunde zu betreuen. Dazu gehören die regelmäßigen Spaziergänge, Fütterungen, tierärztliche Versorgung und natürlich auch das Training. Wenn du schon mit einem Hund an deine Grenzen kommst, könnte ein Zweithund zusätzlichen Stress verursachen.
Aktivitätslevel und Bewegung: Wenn beide Hunde sich gut miteinander verstehen, kann das auch zu mehr Bewegung und Spiel führen. Für aktive Hundehalter kann dies eine positive Dynamik schaffen, besonders wenn beide Hunde ähnliche Bedürfnisse hinsichtlich Bewegung und Auslastung haben. Unterschiedliche Charaktere: Nicht jeder Hund ist dafür geeignet, einen zweiten Hund in seinem Zuhause zu akzeptieren. Es kann zu Konflikten kommen, besonders wenn die Hunde nicht gut zusammenpassen oder unterschiedliche Bedürfnisse haben. Hunde sind Individuen und ihre Verträglichkeit miteinander hängt von vielen Faktoren ab – nicht jeder Hund wird sich sofort mit einem neuen Familienmitglied anfreunden.
Weniger Alleinsein: Ein Zweithund kann dem ersten Hund helfen, Zeiten ohne seinen Menschen besser zu überbrücken, besonders wenn beide Hunde gut miteinander harmonieren. Zwei Hunde fühlen sich oft weniger allein und können sich gegenseitig beschäftigen. Erhöhte Kosten: Zwei Hunde bedeuten doppelte Kosten – vom Futter über Tierarztbesuche bis hin zu Zubehör. Wenn du dir das nicht leisten kannst oder möchtest, solltest du diesen Punkt vor der Anschaffung eines Zweithundes gut durchdenken.

Meine Erfahrungen mit Zweithunden - und warum Quentin zu uns kam

Ich wuchs in einer Hundehalterfamilie auf. Meine Eltern hatten schon immer Hunde. Unsere Mehrhundehalterkarriere begann während meines Schulpraktikums beim ortsansässigen Tierarzt. Ein Hund sollte eingeschläfert werden. Nach einem längeren Gespräch mit den damaligen Besitzern, der Aufklärung über den Grund des Einschläferns und einem Kennenlernen des Hundes – du kannst es dir sicherlich schon vorstellen – war klar, der Hund wird nicht eingeschläfert.

Bereits am nächsten Tag besuchten wir Rex und nahmen ihn sofort mit. Unser erster Zweithund. Denn bei uns lebte bereits Anchy, eine Cavalier King Charles Spaniel Hündin im Alter von sieben Jahren. Nachdem Anchy starb, lebte Rex eine Zeit lang alleine bei uns. Bis ich mir meine erste eigene Hündin als Welpe holte – meine Mischlingshündin Trinity. Sie wurde quasi unser zweiter Zweithund. Nach Rex zog Paul als Welpe mit acht Wochen bei uns ein und lebte mit Trinity zusammen. Nachdem meine Hündin verstarb, kam Ellie zu Paul dazu, der sicher und souverän bei der Erziehung mithalf. Dann zog Quentin ein. Genau genommen ist er also ein Dritthund.

Ich habe folglich schon jede Menge Erfahrung in Sachen Zweithund. Entscheidend ist aber etwas anderes: Jeder neue Hund brachte eine andere Dynamik mit sich und rückblickend durfte ich über viele Jahre beobachten, wie unterschiedlich Hunde miteinander leben, voneinander lernen und sich gegenseitig beeinflussen.

Doch warum entschied ich mich für einen Zweithund?

Meine Ellie war zunächst Reitbegleithund. Auf dem Pferdehof lebten auch zwei Katzen – unfreiwillig, denn sie wurden von der Vorbesitzerin dort ausgesetzt. Und wie es halt manchmal so ist, nahm ich die beiden im Winter immer mit in meine Wohnung. Meine Ellie kannte Katzen und kam mit den beiden super klar. Der kleinere Kater erkrankte an akutem Nierenversagen und verstarb. Immer wenn ich mit Ellie unterwegs war, saß Garfield also nun alleine in der Wohnung. Das bereitete mir Bauchschmerzen. Also beschlossen wir im Familienrat, dass Garfield in das Haus meiner Eltern – mit Garten – umzieht. Dort lebte bereits eine Katze, unsere 16jährige Trixie und der Golden Retriever Paul. Somit war Garfield nie alleine. Nun ergab sich aber die Problematik, dass Ellie alleine in meiner Wohnung war, wenn ich arbeiten gehen durfte. Ich wollte sie aber nicht auch noch meinen Eltern aufdrücken, so dass ich beschloss, ein Zweithund sollte einziehen.

Mein Gedanke: dann ist Ellie nicht alleine, wenn ich nicht da bin.

Wohlbemerkt, ich war nie länger als vier Stunden weg. Trotzdem tat es mir halt leid. Ellie war zu dieser Zeit bereits drei Jahre und wir hatten viele Diskrepanzen beseitigt – denn meine Prinzessin hatte schon des Öfteren andere Ansichten als ich was unser Zusammenleben betraf. Jedenfalls erschien mir die Gesamtsituation als perfekter Zeitpunkt für einen Zweithund. Was sich dann veränderte, hatte ich so nicht geplant.

Zweithund eingewöhnen: Wie Ellie und Quentin zu einem Rudel wurden

Mein Border Collie Rüde stammt aus einer VDH-Zucht und ich hatte das Glück, den Wurf frühzeitig entdeckt zu haben. Nach telefonischer Kontaktaufnahme zur Züchterin durfte ich mir die kleinen Welpen bereits im zarten Alter von fünf Tagen anschauen. Ich entschied mich für den ruhigsten und dicksten Kloß in dem Haufen von Hunden, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich eher Meerschweinchen ähnelten, als Border Collies.

Als ich Quentin das zweite Mal besuchte, war er fünf Wochen alt. Da lernte er dann auch Ellie kennen. Und wie ich es bereits vermutet hatte, sie konnte noch so gar nichts mit diesem komischen kleinen Fellknäuel anfangen. Als Quentin acht Wochen alt war, habe ich ihn abgeholt. Natürlich gemeinsam mit meiner Ellie.

Die Autofahrt nach Hause verlief ohne Komplikationen. Doch Ellies Blick als sie realisierte, dieses kleine komische Ding kommt mit in unsere Wohnung, war Gold wert. Zugegeben, sie schien zu überlegen, was man damit jetzt wohl anfangen könnte. Die beiden spielten und kuschelten zwar miteinander, doch draußen beim Spazieren gehen wollte sie nichts von ihm wissen. Das ging circa ein Jahr lang so. Es gab Ellie und mich und Quentin und mich.

Aber ein Rudel aus Ellie und Quentin – da ließ sich die Prinzessin Zeit. Ich drängte sie auch zu nichts. Während dieser Zeit begannen wir, die Schafe des Schäfers aus unserem Dorf zu hüten. Ich habe es noch bildlich vor Augen – ein Schafumtrieb im Juli – Quentin war gerade ein Jahr alt geworden. Ellie konnte ein Schaf nicht dazu bewegen, weiter zu gehen. Sie schaute mich fragend an und ich setzte Quentin ein. Er ist da etwas konsequenter als Ellie und schaffte es, dass das Schaf weiterlief. Das war sie – die Situation. Ein kurzer Blick von Ellie zu Quentin. Man konnte die Glühbirne in ihrem Kopf sehen. Ellie hatte erkannt, dass man mit diesem Zweithund doch etwas anfangen kann. Und ich wusste, jetzt habe ich verloren, denn die Hunde arbeiten nun zusammen. Was nicht immer zu meiner Freude ausfiel.

Diese Dinge haben die Eingewöhnung meines Zweithundes erleichtert:

Es gibt kein Patentrezept für eine gelungene Eingewöhnung. Trotzdem gab es einige Dinge, die sich bei Ellie und Quentin im Alltag bewährt haben und ihnen den Start erleichtert haben. Vielleicht helfen sie auch dir dabei, deinem Erst- und Zweithund genügend Zeit zu geben, sich aneinander zu gewöhnen.

  • Getrennte Futterplätze: Beide Hunde haben von Anfang an gemeinsam im selben Raum gefressen. Ihre Näpfe standen allerdings nicht direkt nebeneinander, sondern mit etwas Abstand. So konnte jeder in Ruhe fressen, ohne sich bedrängt oder unter Druck gesetzt zu fühlen.
  • Jeder Hund bekam seinen eigenen Schlafplatz: Ellies Bett blieb Ellies Bett. Quentin bekam von Anfang an seinen eigenen Schlafplatz. Wenn Ellie später entschied, dass Quentin sich zu ihr legen durfte, war das völlig in Ordnung. Die Initiative sollte aber immer von ihr ausgehen.
  • Regelmäßiges Einzeltraining: Ich habe beide Hunde immer wieder einzeln trainiert. Während einer arbeitete, wartete der andere und schaute zu. So bekam jeder Hund meine volle Aufmerksamkeit und konnte sich unabhängig vom anderen entwickeln.
  • Gemeinsame Spaziergänge mit Rücksicht auf beide Hunde: Unsere Spaziergänge fanden grundsätzlich gemeinsam statt. Wurde Quentin als Welpe unterwegs müde, habe ich ihn einfach getragen. So konnte Ellie ihre gewohnte Runde weiterlaufen und Quentin wurde trotzdem nicht überfordert. Heute ist das übrigens genau anders herum – Ellie wird öfter mal getragen. Denn als Seniorhündin braucht sie jetzt mehr Unterstützung und Quentin muss trotzdem seinem Bewegungsdrang nachkommen können.
  • Ich habe nichts erzwungen: Das war wahrscheinlich der wichtigste Punkt überhaupt. Ich habe Ellie nie dazu gedrängt, mit Quentin zu spielen oder ständig Kontakt zu ihm aufzunehmen. Sie durfte selbst entscheiden, wann sie Nähe zulässt.

Rückblickend glaube ich, dass genau diese Geduld und ein wichtiger Grund dafür war, dass die beiden später zu einem so guten Team geworden sind.

Die Eingewöhnung wird beide Hunde fordern. Umso besser, wenn du dich in dieser Zeit nicht noch mit fehlender Ausstattung beschäftigen musst. In meiner Checkliste zum Hundebedarf habe ich alle Punkte zusammengestellt, die ich im Alltag nutze:

Welche Überlegungen habe ich vorher gemacht? Was du bei zwei Hunden beachten solltest

Als Mehrhundehalterin kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen: Ein zweiter Hund verändert vieles. Es geht dabei um mehr als die zusätzliche Fellnase. Die ganze Dynamik und Organisation im Haushalt verändert sich.

Bei der Entscheidung, sich einen Zweithund zuzulegen, gibt es viele Punkte zu bedenken. Dabei geht es nicht nur um die Freude über ein weiteres Familienmitglied, sondern auch um die Konsequenzen, die so eine Entscheidung mit sich bringt.

Du erziehst nicht nur einen, sondern zwei Hunde

Mit einem zweiten Hund erziehst du nämlich nicht einfach zwei Hunde gleichzeitig. Du erziehst zwei völlig unterschiedliche Charaktere. Jeder bringt seine eigene Persönlichkeit, seine eigenen Erfahrungen und sein eigenes Lerntempo mit. Was bei dem einen Hund wunderbar funktioniert, kann den anderen völlig kalt lassen.

Das beginnt bereits beim ganz normalen Spaziergang. Während der eine Hund entspannt an lockerer Leine läuft, muss der andere vielleicht erst noch lernen, sich an dir zu orientieren. Der eine kennt deine Regeln seit Jahren, der andere steht noch ganz am Anfang. Beide erwarten trotzdem deine Aufmerksamkeit.

Du kannst dich also nicht ausschließlich auf den Neuzugang konzentrieren, weil dein erster Hund genauso Führung braucht wie vorher. Seine Regeln ändern sich schließlich nicht, nur weil ein zweiter Hund eingezogen ist.

Dazu kommt, dass sich beide Hunde gegenseitig beobachten. Hunde lernen unglaublich viel voneinander. Leider übernehmen sie dabei nicht nur die guten Eigenschaften. Hat einer eine blöde Idee, dauert es manchmal erstaunlich kurz, bis der andere sie ebenfalls ausprobiert.

Ich habe deshalb beide Hunde von Anfang an immer wieder einzeln trainiert. Nur so konnte ich auf den jeweiligen Charakter eingehen, ohne dass der andere Hund ständig mitlernt, mitentscheidet oder sich einmischt.

Mit der Zeit entwickelt sich daraus ein gemeinsamer Alltag. 

Seit Quentin eingezogen ist, achte ich noch viel genauer darauf, was mir meine Hunde mitteilen möchten. Warum Hunde bellen und welche Verantwortung wir als Hundehalter dabei tragen, habe ich in einem eigenen Artikel ausführlich erklärt:

Zwei Hunde treffen Entscheidungen gemeinsam

Mit einem Hund triffst du viele Entscheidungen allein. Mit zwei Hunden reicht manchmal ein kurzer Blick zwischen den beiden und plötzlich ist die Entscheidung bereits gefallen.

Mir wurde das erst richtig bewusst, als Ellie begann, Quentin in bestimmten Situationen nach vorne zu schicken. Ein Blick von ihr genügte und Quentin übernahm. Wenn zwei Hunde zusammenarbeiten, ist das nämlich nicht mehr ganz so lustig und auch nicht mehr ganz so einfach. Situationen, die vorher kein Problem waren, weil jeder Hund anders damit umging, wurden plötzlich zu einem Problem, weil ein Rudel anders damit umgeht. Du kennst sicherlich den Spruch: „Zu zweit fühlt man sich stärker“.

Früher konnte ich mich auf einen Hund konzentrieren. Jetzt musste ich beide gleichzeitig lesen. Wer schaut wen an? Wer trifft die eigentliche Entscheidung? Wer reagiert nur auf den anderen? Ein Rudel entscheidet wesentlich schneller und feinfühliger und du musst sehr genau auf die Körpersprache deiner Hunde achten, um rechtzeitig eingreifen zu können.

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Hunde verstehen statt nur beobachten

Mit zwei Hunden musste ich lernen, nicht nur Verhalten zu sehen, sondern Kommunikation zu verstehen. Seitdem achte ich viel stärker auf kleine Signale und Körpersprache. Genau deshalb empfehle ich dieses Buch jedem, der seine Hunde wirklich lesen lernen möchte.

Damit wird das Leben mit zwei Hunden aber auch besonders spannend. Nach und nach entsteht aus zwei einzelnen Hunden ein Team. Sie beobachten sich gegenseitig, orientieren sich aneinander und beeinflussen sich ständig. Das kann unglaublich hilfreich sein. Es kann aber genauso gut dazu führen, dass sich Unsicherheiten oder unerwünschte Verhaltensweisen gegenseitig verstärken.

Mir wurde irgendwann klar, dass ich nicht mehr nur zwei Hunde führte. Ich führte ihre Beziehung zueinander gleich mit.

Deshalb reicht es aus meiner Sicht auch nicht, nur den Hund zu beobachten, der gerade bellt, zieht oder aufgeregt ist. Genauso wichtig ist der Blick auf den anderen Hund. Nicht selten liegt der eigentliche Auslöser nämlich gar nicht bei dem Hund, der aktiv reagiert.

Das bedeutet nicht, dass zwei Hunde automatisch schwieriger sind. Im Gegenteil. Ich beobachte unglaublich gern, wie Ellie und Quentin miteinander kommunizieren und sich gegenseitig unterstützen. Ein Zweithund ist eben nicht einfach nur ein weiterer Hund. Mit ihm entsteht eine neue Dynamik, die den gesamten Alltag beeinflusst.

Man muss sich immer bewusst sein: Zwei Hunde sind nun mal zwei Hunde.

Doppelte Kosten der Hundehaltung

Bei einem Zweithund denken viele zuerst an Futter und Tierarztkosten. Beides ist natürlich richtig. Tatsächlich verändern sich aber deutlich mehr Ausgaben, als man zunächst vermutet.

Nehmen wir nur allein die Hundesteuer. In vielen Städten wird der zweite Hund deutlich höher besteuert als der erste. Hinzu kommen Haftpflicht- und Krankenversicherung, die laufenden Futterkosten sowie regelmäßige Tierarztbesuche.

Dazu kommt die komplette Ausstattung. Ein Hundebett reicht plötzlich nicht mehr. Aus einem Napf werden zwei, aus einer Leine ebenfalls. Halsbänder, Geschirre, Spielzeug oder Sicherheitsgurte für das Auto müssen häufig ebenfalls doppelt angeschafft werden. Und ja, ein Staubsaugerbeutel reicht auch nicht mehr so lang wie früher. Gerade diese vielen kleinen Anschaffungen summieren sich schneller, als man zunächst denkt.

Und dann gibt es noch die Ausgaben, die man kaum planen kann. Wird ein Hund krank oder benötigt eine größere Behandlung, entwickelt einer der beiden Hunde eine Futterallergie oder Unverträglichkeiten? Dann musst du plötzlich getrennt planen und mit zusätzlichen Kosten rechnen.

Deshalb würde ich vor der Anschaffung eines Zweithundes nicht nur überlegen, ob Zeit und Platz vorhanden sind. Die Frage, ob das zusätzliche Budget auch langfristig eingeplant werden kann, muss ebenfalls sicher beantwortet werden können. Ein Zweithund begleitet dich viele Jahre und mit ihm verdoppelt sich die Freude, aber eben auch die finanzielle Verantwortung.

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Sichere deinen Zweithund von Anfang an ab

Zum Glück muss man diese Verantwortung nicht komplett allein tragen. Für mich gehört eine Hundeversicherung inzwischen einfach dazu, damit im Ernstfall beide Hunde bestmöglich versorgt werden können und nicht der Kontostand über die Behandlung entscheidet.

Wie sich dein gesamter Alltag mit zwei Hunden verändert

Mit einem Zweithund verändert sich nicht nur der Alltag zu Hause. Auch Urlaub, Krankheit, Wohnungssuche oder Besuche bei Familie und Freunden laufen anders ab. Vieles davon merkt man erst, wenn man tatsächlich mit zwei Hunden lebt.

LebensbereichDas verändert sich mit einem Zweithund
UrlaubDie Kosten für Unterkünfte oder Pensionen werden doppelt so teuer und die Urlaubsplanung wird deutlich aufwendiger. Auch das Packen und der Transport benötigen mehr Organisation.
Krankheit eines HundesWird ein Hund krank, bleibt der andere nicht einfach stehen. Er braucht weiterhin Spaziergänge, Beschäftigung und Aufmerksamkeit. Tierarztbesuche, Pflege und Alltag müssen parallel organisiert werden. Gleichzeitig kann die vertraute Anwesenheit des zweiten Hundes dem kranken Hund Sicherheit geben.
Besuche bei Familie und FreundenZwei Hunde geben sich in ungewohnten Situationen oft gegenseitig Orientierung. Gleichzeitig benötigen sie mehr Platz und Rückzugsmöglichkeiten. Nicht jeder Besuch lässt sich mit zwei Hunden so unkompliziert organisieren wie mit einem einzelnen Hund.
WohnungssucheMit zwei Hunden wird die Suche nach einer passenden Wohnung schwieriger. Viele Vermieter erlauben nur einen Hund oder stellen zusätzliche Bedingungen. Gleichzeitig lohnt es sich, stärker auf Platz, Garten oder hundefreundliche Umgebung zu achten.

Genau diese Überlegungen haben meine Entscheidung für Quentin maßgeblich beeinflusst. Und trotzdem gab es noch weitere Fragen, die ich mir vor seinem Einzug gestellt habe. Eine davon war: Welcher Hund passt überhaupt zu Ellie?

Zweithund als Welpe oder aus dem Tierschutz? Welche Entscheidung passt zu dir?

Wer einen Zweithund aufnehmen möchte, steht häufig vor der Frage, ob ein Welpe oder ein Hund aus dem Tierschutz besser geeignet ist. Beide Möglichkeiten können funktionieren. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Herkunft des Hundes, sondern vor allem, ob er zu deinem ersten Hund und zu deinem Alltag passt.

Bevor Quentin bei mir einzog, stellte sich auch mir diese Frage. Sollte es wieder ein Welpe werden oder vielleicht ein Hund aus dem Tierschutz?

Folgende Überlegungen spielten daher für mich eine Rolle:

Thema Welpe Tierschutzhund
Vorgeschichte Entwicklung von Anfang an Vorgeschichte bereits vorhanden
Erziehung Hoher Zeitaufwand Abhängig vom bisherigen Leben
Gesundheit Gesundheitsdaten oft gut nachvollziehbar Gesundheitsstatus genau prüfen
Eingewöhnung Entwicklung gemeinsam begleiten Eingewöhnung individuell
Vergesellschaftung Häufig leichter einzuschätzen Hängt stark vom einzelnen Hund ab

Ein Welpe ist aber nicht automatisch die bessere Entscheidung. Genauso wenig ist ein Tierschutzhund grundsätzlich schwieriger. Am Ende zählt, welcher Zweithund zu dir und deinem Ersthund passt.

Die Vorgeschichte: Ein wichtiger Unterschied zwischen Welpe und Tierschutzhund

Ein Hund aus dem Tierschutz oder Tierheim bringt immer seine eigene Geschichte mit. Manche Hunde stammen aus einem deutschen Tierheim oder wurden privat abgegeben. Andere kommen aus dem Auslandstierschutz und haben bereits verschiedene Menschen, Hunde oder Lebenssituationen kennengelernt. Wieder andere haben schlechte Erfahrungen gemacht oder wurden nur unzureichend sozialisiert.

Informiere dich deshalb möglichst genau über die Vorgeschichte des Hundes. Hat er bereits mit anderen Hunden zusammengelebt? Wie verhält er sich in neuen Situationen? Je besser du seinen bisherigen Lebensweg kennst, desto leichter kannst du einschätzen, ob er zu deinem ersten Hund passt.

Eine schwierige Vergangenheit macht einen Hund aus dem Tierschutz nicht automatisch zu einem schlechteren Zweithund. Viele ehemalige Tierschutzhunde entwickeln sich zu völlig unproblematischen Familienhunden. Sei dir aber bewusst, dass manche Hunde mehr Zeit und Geduld benötigen, bis sie sich in ihrem neuen Zuhause sicher fühlen.

Ein Welpe bringt deutlich weniger Vorerfahrungen mit als ein erwachsener Hund. Seine Entwicklung beginnt praktisch in deinem Zuhause und du kannst seine Sozialisierung, Erziehung und den Umgang mit deinem ersten Hund von Anfang an begleiten.

Ein Welpe muss aber auch nahezu alles erst lernen. Stubenreinheit, Leinenführigkeit, Rückruf und die allgemeinen Regeln des Zusammenlebens benötigen Zeit und konsequente Erziehung. Dein erster Hund braucht aber auch weiterhin Aufmerksamkeit, Beschäftigung und gemeinsame Zeit mit dir. Das ist aus meiner Sicht die eigentliche Herausforderung: Zwei Hunde mit zwei völlig unterschiedlichen Bedürfnissen, denen du gleichermaßen gerecht werden musst.

Gesundheit: Was du bei einem Welpen und Tierschutzhund beachten solltest

Ein Punkt, über den ich mir damals ebenfalls viele Gedanken gemacht habe, war die Gesundheit.

Nicht nur die des neuen Hundes, sondern vor allem auch die von Ellie.

Vielleicht liegt das daran, dass ich viele Jahre als Tierarzthelferin gearbeitet habe. Mir war einfach bewusst, wie schnell sich manche Krankheiten oder Parasiten von einem Hund auf den anderen übertragen können. Flöhe und Würmer sind dafür die offensichtlichsten Beispiele. Bei Hunden aus dem Ausland kommen je nach Herkunft aber unter Umständen noch sogenannte Mittelmeerkrankheiten wie Leishmaniose, Ehrlichiose oder Babesiose hinzu. Deshalb hätte ich einen neuen Hund nie einfach ungeprüft mit meinem bereits vorhandenen Hund zusammengebracht.

Natürlich werden Hunde aus seriösen Tierschutzorganisationen vor der Vermittlung tierärztlich untersucht, geimpft und gegen Parasiten behandelt. Trotzdem würde ich immer nochmal meinen Tierarzt des Vertrauens auf den Hund schauen lassen.

Dasselbe gilt übrigens auch für einen Welpen. Viele gehen automatisch davon aus, dass ein Welpe gesund ist. Ganz so einfach ist es aber nicht. Auch hier würde ich genau hinschauen, woher der Hund stammt, wie die Elterntiere gesundheitlich untersucht wurden und wie die Aufzucht erfolgt ist. Ein seriöser Züchter dokumentiert diese Dinge und gibt den Welpen geimpft, gechippt und mehrfach entwurmt ab.

Am Ende geht es mir dabei gar nicht darum, ob der Zweithund aus dem Tierschutz oder von einem Züchter kommt. Mir ging es damals darum, dass Ellie gesund bleibt und beide Hunde möglichst sicher in ihren gemeinsamen Alltag starten können.

Wenn du dir unsicher bist, wie du den Gesundheitszustand eines Hundes überhaupt einschätzen kannst, zeige ich dir, worauf ich als ehemalige Tierarzthelferin schon beim ersten Kennenlernen achte:

Vergesellschaftung: Welpe oder Hund aus dem Tierschutz?

Für mich war bei der Entscheidung eine andere Frage viel wichtiger, als die Herkunft des Hundes:

Wie gut passt der neue Hund zu dem Hund, der bereits bei mir lebt?

Egal, ob Welpe oder Tierschutzhund – die ersten Wochen der Eingewöhnung entscheiden oft darüber, wie sich das spätere Zusammenleben entwickelt. Deshalb brauchen beide Hunde genügend Zeit, sich aneinander zu gewöhnen.

Bei einem Welpen begleitest du praktisch jede Entwicklung von Anfang an. Das bedeutet aber auch, dass ein Welpe Grenzen erst lernen muss. Nicht jeder erwachsene Hund hat die Geduld, sich ständig mit einem aufgedrehten Jungspund auseinanderzusetzen. Da bist du deutlich mehr gefragt in deiner Rolle als Bezugsperson.

Ein erwachsener Hund aus dem Tierheim, einer Pflegestelle oder dem Tierschutz bringt dagegen bereits seine eigenen Erfahrungen mit. Manche Hunde leben problemlos mit Artgenossen zusammen, andere benötigen mehr Zeit, bis sie Vertrauen fassen oder ihren Platz im neuen Zuhause gefunden haben. Deshalb würde ich vor der Aufnahme ein gemeinsames Kennenlernen auf neutralem Boden organisieren.

Wenn du dir bei der Vergesellschaftung unsicher bist, kannst du dir bereits vor dem Einzug Unterstützung durch einen erfahrenen Hundetrainer oder in einer Hundeschule holen.

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Mit mehreren Hunden entspannt zusammenleben

Egal, für welchen Hund du dich entscheidest – nach dem Einzug beginnt der eigentliche Alltag. Dieses Buch hat mir trotz meiner Erfahrung viele praktische Denkanstöße gegeben, damit aus mehreren einzelnen Hunden Schritt für Schritt ein harmonisches Rudel werden konnte.

Warum ich mich für einen Welpen entschieden habe:

Ich habe mich damals ganz bewusst für Quentin als Welpen entschieden. Nicht, weil ich einen Tierschutzhund grundsätzlich ausgeschlossen hätte. Diese Entscheidung passte einfach am besten zu meiner damaligen Lebenssituation.

Meine Ellie spielte die Hauptrolle. Sie war drei Jahre alt und ich kannte sie inzwischen in- und auswendig. Ich wusste, wie sie auf andere Hunde reagierte, wie belastbar sie war und wo ihre Grenzen lagen. Außerdem gehörten die beiden Katzen und der Hund meiner Eltern ganz selbstverständlich zu unserem Alltag. Ich wollte also möglichst wenig dem Zufall überlassen.

Damals arbeitete ich außerdem noch teilweise im Büro. Das bedeutete, dass Ellie und Quentin auch mal gemeinsam zu Hause bleiben mussten. Ich wollte mich darauf verlassen können, dass die beiden miteinander auskommen und sich Schritt für Schritt aneinander gewöhnen. Für mich ließ sich das mit einem Welpen besser einschätzen.

Denn aus zwei einzelnen Hunden wird nicht von heute auf morgen ein eingespieltes Team.

Hundeschule ist nicht gleich Hundeschule. Welche Merkmale aus meiner Sicht für eine gute Hundeschule oder einen kompetenten Hundetrainer sprechen und worauf ich bei der Auswahl achten würde, kannst du hier nachlesen:

Rüde oder Hündin als Zweithund? Welche Konstellation passt?

Spätestens wenn die Entscheidung für einen Zweithund gefallen ist, taucht gleich die nächste Frage auf: Soll es ein Rüde oder eine Hündin werden?

Je länger man sich informiert, desto mehr unterschiedliche Antworten findet man. Zwei Rüden sollen ständig ihre Rangordnung klären. Zwei Hündinnen gelten meist als besonders schwierig. Und am besten funktioniert angeblich immer die Kombination aus Rüde und Hündin.

Nach vielen Jahren mit unterschiedlichen Hundekonstellationen sehe ich das etwas anders. Das Geschlecht spielt durchaus eine Rolle. Es ist aber nur ein Teil der Entscheidung. Mindestens genauso wichtig sind Charakter, Alter, bisherige Erfahrungen und die Frage, wie gut beide Hunde überhaupt zueinander passen.

Rüde und Hündin gelten oft als die unkomplizierteste Kombination. Tatsächlich leben viele gemischtgeschlechtliche Hunde sehr harmonisch zusammen. Man sollte dabei allerdings einen Punkt nicht vergessen: Sind beide Hunde unkastriert, spielt die Läufigkeit zwangsläufig eine Rolle. Dann müssen Deckverhalten, eine mögliche Trennung während der Stehtage und eine ungewollte Trächtigkeit mit eingeplant werden. Als Quentin einzog, war Ellie bereits seit einem Jahr kastriert. Dieses Thema stellte sich für uns deshalb überhaupt nicht.

Zwei Rüden haben dagegen häufig den Ruf, sich ständig beweisen zu müssen. Meine eigenen Erfahrungen waren deutlich entspannter. Quentin lebte viele Jahre gemeinsam mit unserem Golden Retriever Paul. Natürlich mussten beide ihren Platz finden, aber ernsthafte Probleme entstanden daraus nie. Beide Hunde waren in ihrem Sozialverhalten sicher und kannten ihre Grenzen und Regeln.

Zwei Hündinnen werden häufig als anspruchsvoller beschrieben als zwei Rüden. Konflikte zwischen Hündinnen können unter Umständen hartnäckiger verlaufen. Wenn es zwischen Hunden, die zusammenleben, zu ernsthaften Konflikten kommt, berichten Verhaltenstierärzte oft, dass dies bei gleichgeschlechtlichen Kombinationen erhöht vorkommt. Besonders Hündinnen sind in diesen Fallserien überdurchschnittlich vertreten. Das bedeutet allerdings nicht, dass zwei Hündinnen grundsätzlich nicht harmonisch zusammenleben können. Viele tun genau das. Die Studien zeigen lediglich, dass die Wahrscheinlichkeit für schwerwiegende Konflikte in dieser Konstellation höher sein kann. Ich kenne aber auch Hündinnen, die viele Jahre völlig problemlos zusammenleben.

Auch hier zeigt sich: Das Geschlecht allein entscheidet nicht darüber, ob zwei Hunde harmonieren. Ich habe Quentin nicht ausgesucht, weil ich unbedingt einen Rüden haben wollte. Ich habe mich für ihn entschieden, weil ich überzeugt war, dass er zu Ellie passt.

Übrigens blieb Quentin nicht lange der Jüngste. Einige Jahre später zog mit Rudi erneut ein Welpe bei uns ein. Es entstand wieder eine völlig neue Hundekonstellation – diesmal mit einem jungen Rüden, einem erwachsenen Rüden und einer älteren Hündin. Wie sich das entwickelt hat und ob meine Überlegungen von damals auch dieses Mal aufgegangen sind:

Mehrhundehaltung: Welcher Altersunterschied zwischen Ersthund und Zweithund ist sinnvoll?

Auch mir stellte sich damals diese Frage: Welcher Altersunterschied zwischen Ersthund und Zweithund ist eigentlich sinnvoll?

Es gilt wie immer: eine allgemeingültige Antwort gibt es darauf nicht. Man liest jedoch immer wieder von einem Unterschied zwischen zwei bis vier Jahren.

Warum oftmals ein Altersunterschied von zwei bis vier Jahren empfohlen wird:

Dass dieser Altersunterschied so oft empfohlen wird, hat mehrere Gründe.

Ein Hund in diesem Alter ist meist körperlich ausgewachsen und deutlich gefestigter als ein Welpe oder Junghund. Viele Hunde haben ihren Alltag gefunden, kennen die Regeln im Zusammenleben und reagieren in vielen Situationen ruhiger und überlegter. Dadurch sind viele Ersthunde im Alltag gelassener und bieten dem jungen Hund verlässliche Routinen, an denen er sich orientieren kann.

Auch körperlich ergänzen sich beide Hunde in diesem Altersbereich in vielen Fällen gut. Der Ersthund ist meist noch fit genug für gemeinsame Spaziergänge, Wanderungen oder Hundesport, während der jüngere Zweithund ausreichend ausgelastet werden kann. Liegt zwischen beiden Hunden dagegen ein sehr großer Altersunterschied, können die Bedürfnisse deutlich auseinandergehen. Während der junge Hund spielen, laufen und die Welt entdecken möchte, braucht ein Senior möglicherweise längere Ruhephasen oder muss aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen geschont werden.

Das bedeutet nicht, dass ein Welpe und ein Senior grundsätzlich nicht zusammenpassen. Es bedeutet lediglich, dass du deinen Alltag stärker an die unterschiedlichen Bedürfnisse beider Hunde anpassen musst.

Wann ist dein Ersthund bereit für einen Zweithund?

Mindestens genauso wichtig wie das Alter ist aus meiner Sicht der Entwicklungsstand deines Ersthundes.

Hat er eine gute Bindung zu dir? Ist eure Erziehung im Alltag gefestigt? Kannst du dich auf ihn verlassen? Ist er sozial sicher im Umgang mit anderen Hunden?

Ein souveräner Ersthund kann einem Zweithund unglaublich viel mit auf den Weg geben. Er vermittelt Regeln, zeigt Routinen und hilft dem neuen Hund häufig dabei, sich schneller im Alltag zurechtzufinden.

Ist der Ersthund dagegen selbst noch mitten in seiner Erziehung oder bringt Unsicherheiten im Umgang mit anderen Hunden mit, kann ein Zweithund diese Schwierigkeiten sogar verstärken. Junge Hunde lernen schließlich nicht nur die guten Dinge voneinander. Unerwünschte Verhaltensweisen werden oft genauso schnell übernommen.

Auch das Temperament und die Hunderasse spielen eine große Rolle. Ein ruhiger und geduldiger Hund kommt mit einem lebhaften Welpen meistens besser zurecht als ein Hund, der selbst schnell gestresst ist oder wenig Geduld mit Artgenossen hat. Umgekehrt kann ein sehr aktiver Ersthund hervorragend zu einem jungen Hund passen, während ein gemütlicher Senior mit dessen Energie möglicherweise überfordert wäre.

Ein Zweithund muss übrigens nicht zwangsläufig jünger sein als dein Ersthund. Auch ein älterer Hund kann gut zu einem jüngeren Ersthund passen, wenn beide charakterlich harmonieren und ähnliche Bedürfnisse mitbringen.

Welches Alter sollte dein Zweithund haben?

Ein Welpe bringt den Vorteil mit, dass du seine Entwicklung von Anfang an begleiten kannst. Gleichzeitig benötigt er in den ersten Monaten sehr viel Zeit, Erziehung und Aufmerksamkeit. Dein Ersthund sollte deshalb genügend Geduld mitbringen und selbst bereits gefestigt sein.

Ein Junghund kann eine gute Alternative sein. Viele Grundlagen sind bereits gelegt, gleichzeitig ist er noch jung genug, um sich gut in einen bestehenden Alltag einzufügen. Allerdings befindet sich ein Junghund häufig mitten in der Pubertät. Auch das solltest du bei deiner Entscheidung berücksichtigen.

Ein erwachsener Hund bringt oft mehr Ruhe mit. Sein Charakter lässt sich meist besser einschätzen und viele grundlegende Dinge hat er bereits gelernt. Gleichzeitig bringt er aber auch seine bisherigen Erfahrungen und Gewohnheiten mit. Gerade deshalb solltest du dir möglichst viel über seine Vorgeschichte erzählen lassen und ihn gemeinsam mit deinem Ersthund kennenlernen.

Ein Senior als Zweithund ist eher die Seltenheit, kann aber durchaus gut zu einem älteren Ersthund passen. Beide Hunde haben dann ähnliche Bedürfnisse hinsichtlich Bewegung und Ruhe. Gleichzeitig solltest du bedenken, dass gesundheitliche Einschränkungen häufiger auftreten können und der Senior möglicherweise nicht mehr die Energie für einen jungen, sehr aktiven Ersthund mitbringt.

Die Lebenserwartung der jeweiligen Hunderasse solltest du bei deiner Entscheidung ebenfalls berücksichtigen. Zwischen einem Chihuahua und einer Deutschen Dogge können viele Lebensjahre liegen. Dadurch verändert sich auch der Zeitraum, in dem beide Hunde gemeinsam alt werden.

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Auch die beste Vorbereitung ersetzt keine Sicherheit

Du kannst dir viele Gedanken machen und die Voraussetzungen für einen Zweithund sorgfältig prüfen. Trotzdem läuft nicht immer alles nach Plan. Genau deshalb solltest du deine Hunde absichern. Seit über 20 Jahren sind alle unsere Hunde dort versichert.

Warum Quentin einzog, als Ellie drei Jahre alt war

Als Quentin einzog, war Ellie drei Jahre alt. Rückblickend passt das damit ziemlich genau in den Altersbereich, der gern empfohlen wird.

Für mich zählte aber, dass wir unseren gemeinsamen Alltag gefunden hatten. Ellie war gut erzogen, ich wusste ziemlich genau, wie sie in unterschiedlichen Situationen reagierte, und sie brauchte selbst keine ständige Orientierung mehr. Für Quentin war vieles dadurch bereits selbstverständlich, weil Ellie unseren Alltag längst verinnerlicht hatte.

Hätte Ellie mit drei Jahren noch große Baustellen in der Erziehung gehabt oder wäre sie im Umgang mit anderen Hunden unsicher gewesen, hätte ich mit einem Zweithund definitiv noch gewartet.

Mein Fazit: Welcher Altersunterschied ist sinnvoll?

Einen idealen Altersunterschied zwischen Ersthund und Zweithund gibt es nicht.

Wenn dein Ersthund selbst noch Orientierung braucht, würde ich keinen Zweithund aufnehmen – unabhängig davon, ob er zwei, drei oder sechs Jahre alt ist. Schau dir deshalb zuerst deinen Ersthund ehrlich an: Läuft wirklich alles rund und unkompliziert?

Erst wenn diese Grundlagen stimmen, würde ich über einen Zweithund nachdenken. Denn am Ende entscheidet nicht das Alter darüber, ob zwei Hunde ein gutes Team werden, sondern ob ihre Persönlichkeiten zueinander passen.

Ist dein Ersthund bereits älter, solltest du seine Bedürfnisse noch einmal ganz neu zu betrachten. Wie sich der Alltag mit einem Seniorhund verändert und worauf ich bei Ellie heute besonders achte:

Braucht mein Hund einen Zweithund? Mein persönlicher Rückblick

Der Satz wird wahrscheinlich viele überraschen. Ellie brauchte keinen Zweithund.

Und wenn ich ehrlich bin, brauchte Quentin später ebenfalls keinen dritten Hund (unseren Rudi).

Ich wollte Quentin damals haben. Nicht, weil Ellie unglücklich war oder ihr etwas fehlte. Sondern weil ich mir vorstellen konnte, mit zwei Hunden zu leben. Rückblickend war das eine gute Entscheidung. Aber nicht aus den Gründen, die ich damals im Kopf hatte.

Ich hatte gehofft, dass vieles einfacher wird. Wurde es aber nicht. Es wurde anders.

Mit zwei Hunden verdoppelten sich nicht nur die Spaziergänge oder die Kosten. Ich musste lernen, zwei Persönlichkeiten gleichzeitig zu führen. Zwei Hunde zu beobachten. Zwei Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen.

Besonders deutlich wurde mir das, als Quentin seine Kreuzbandrisse hatte. Über Wochen durfte er nur wenige Minuten laufen. Ellie dagegen war gesund und wollte beschäftigt werden. Quentin konnte aber auch nicht alleine zu Hause bleiben. Ohne die Unterstützung meiner Eltern hätte ich diese Zeit kaum bewältigen können. Auch Ellies Sandkolik, als ich plötzlich im Urlaub mit ihr in die Tierklinik musste. Ohne Unterstützung wäre das schwierig geworden.

Genau solche Situationen solltest du aber vorher durchdenken, wenn du dir einen Zweithund anschaffen möchtest.

Was ich an zwei Hunden besonders gut finde?

Ich durfte beobachten, wie aus zwei völlig unterschiedlichen Hunden mit der Zeit ein eingespieltes Team wurde. Ich durfte erleben, wie sie miteinander kommunizieren, sich ergänzen und manchmal auch gemeinsam Unsinn machen. Dafür musste ich aber auch lernen, beide Hunde gleichzeitig zu lesen und ihre Beziehung genauso ernst zu nehmen wie die Beziehung jedes einzelnen Hundes zu mir.

Deshalb würde ich heute niemandem pauschal zu einem Zweithund raten.

Wenn dein Hund glücklich ist, ausgeglichen lebt und ihr einen schönen Alltag habt, fehlt ihm wahrscheinlich nichts.

Ein Zweithund sollte deshalb niemals angeschafft werden, weil man glaubt, der erste Hund brauche unbedingt Gesellschaft. Denn am Ende verändert sich nicht das Leben deines Hundes am meisten. Es verändert sich vor allem dein eigenes.

Wenn du jetzt wissen möchtest, wie ich unseren Alltag gestalte, welche Erfahrungen wir auf Reisen gesammelt haben oder welche Themen mich vom Welpen bis zum Senior begleitet haben, findest du all das auf meiner Themenseite:

FAQ - Zweithund Ja oder Nein? Die wichtigsten Fragen kurz beantwortet

Die Entscheidung für einen Zweithund lässt sich nicht pauschal beantworten. Jeder Hund bringt seine eigene Persönlichkeit, seine eigenen Erfahrungen und seine eigenen Bedürfnisse mit. Deshalb können diese Antworten nur eine erste Orientierung geben.

Wenn du dir unsicher bist, ob dein Ersthund bereit für einen Zweithund ist oder welcher Hund am besten zu euch passt, solltest du dir unbedingt persönliche Unterstützung holen. Ein Tierarzt kann gesundheitliche Fragen beurteilen, ein erfahrener Hundetrainer oder eine gute Hundeschule helfen dabei, das Verhalten deines Hundes realistisch einzuschätzen und eine passende Entscheidung zu treffen. Ich würde dabei immer eine persönliche Beratung vor Ort einem Video auf YouTube oder pauschalen Tipps aus dem Internet vorziehen. Schließlich geht es um zwei individuelle Hunde – und die lernt man nur kennen, wenn man sie auch live erlebt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Zweithund?

Der richtige Zeitpunkt ist erreicht, wenn dein Ersthund körperlich und geistig gefestigt ist, eure Erziehung im Alltag zuverlässig funktioniert und du genügend Zeit, Platz und finanzielle Mittel für einen zweiten Hund hast. Viele Hundehalter entscheiden sich für einen Zweithund, wenn der Ersthund etwa zwei bis vier Jahre alt ist.

Nein. Die meisten Hunde brauchen keinen Zweithund, um glücklich zu sein. Entscheidend sind eine gute Bindung zum Menschen, ausreichende Beschäftigung und ein passender Alltag. Ein Zweithund sollte deshalb nicht angeschafft werden, weil der Ersthund angeblich Gesellschaft braucht, sondern weil du bewusst mit zwei Hunden leben möchtest.

Ob Rüde oder Hündin besser passen, hängt weniger vom Geschlecht als vom Charakter der Hunde ab. Viele Hundehalter erleben gemischtgeschlechtliche Kombinationen als unkompliziert. Entscheidend sind jedoch Sozialverhalten, Erziehung, individuelle Persönlichkeit und – falls relevant – der Umgang mit einer läufigen Hündin.

Ja, viele ältere Hunde akzeptieren einen Welpen problemlos. Voraussetzung ist, dass der Senior genügend Rückzugsmöglichkeiten hat und der Welpe lernt, seine Grenzen zu respektieren. Der ältere Hund sollte nicht dauerhaft für die Erziehung des Welpen verantwortlich gemacht werden.

Ein Altersunterschied von zwei bis vier Jahren wird am meisten empfohlen, weil der Ersthund dann oft bereits gefestigt ist und ein jüngerer Hund von ihm lernen kann. Eine feste Regel gibt es jedoch nicht. Viel wichtiger als das Alter sind Charakter, Gesundheitszustand und die Bedürfnisse beider Hunde.

Nicht jeder Hund genießt dauerhaft die Nähe eines Artgenossen. Zieht sich dein Hund öfter zurück, reagiert gestresst auf andere Hunde oder verteidigt dauerhaft Ressourcen wie Futter, Spielzeug oder Liegeplätze, kann ein Zweithund zusätzlichen Stress bedeuten. Vor der Anschaffung solltest du deshalb den Charakter und das Sozialverhalten deines Ersthundes ehrlich einschätzen.

Ich bin Franziska von mitohnehund.de. Ich war Tierarzthelferin, habe die Begleithundeprüfung mit Sachkundenachweis abgelegt, im Hundesport trainiert, Schafe mit Border Collies gehütet, Welpen großgezogen, meine Hunde durch Krankheiten begleitet und Seniorhunde gehen lassen. Meinen Alltag und das Reisen teile ich seit über 40 Jahren mit Hunden.

Was ich hier schreibe, entsteht aus Erfahrung, aus Fachwissen und aus vielen Jahren, in denen ich mit Hunden gelebt und gearbeitet habe. Und ich schaue immer wieder neu hin. Auf die Hunde, auf das Leben mit ihnen und auch auf mich selbst.

Ich hab viel erzählt – jetzt bist du dran. Möchtest du einen Zweithund und hast noch Fragen? Oder hast du schon selbst Erfahrungen mit zwei oder mehr Hunden gesammelt? Schreib’s in die Kommentare. Ehrlich. Direkt. Mit Namen – oder anonym. Ich lese alles. Und ich antworte.

4 Kommentare zu „Zweithund ja oder nein? Wie sich dein Leben verändert, wenn aus einem Hund plötzlich zwei werden“

  1. Ihr seit ein tolles Gespann! Deine Erfahrungen und Beobachtungen sind für jeden Hundehalter ein Schatz an Wissen, welche nicht belehrend wirken, sondern ein Spiegelbild deines Lebens mit Hunden zeigen. Danke für deine Offenheit und noch viele schöne Momente mit deinen Fellnasen. 🫶

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    • Liebe Iris,

      vielen Dank. Das macht mich richtig stolz! Und genau das mein Gedanke hinter der Website. Ich habe nicht den Anspruch, jemandem zu sagen, wie Hundehaltung funktionieren „muss“. Ich erzähle einfach von unserem Weg – mit allem, was dazugehört. Wenn sich andere darin wiederfinden oder etwas für sich mitnehmen können, dann hat sich das Schreiben für mich gelohnt. Danke, dass du dir die Zeit für diesen Kommentar genommen hast. ❤️

      liebe Grüße,
      Franziska

  2. Also deine Erfahrungen die du mit deinen Hunden gemacht hast , hast du auf ein2 unglaublich verständliche , spannende und liebevolle Weise festgehalten.
    Ich bewundere dein Wissen , deine Geduld und dein feines Gespür für deine Hunde .
    Danke , dass du das alles mit deinen Lesern teilst . Es war mir eine große Freude deine Zeilen zu lesen und bin bemüht auch meinen Hund so gut wie möglich zu verstehen und zu lesen .

    Vielen Dank und weiterhin viel Spaß mit dein Fellnasen Ellie und Quentin

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    • Liebe Evi,

      vielen Dank. Das bedeutet mir wirklich viel. Auch ich lerne (trotz meiner Erfahrungen) jeden Tag etwas Neues von meinen Hunden. Wahrscheinlich schreibe ich genau deshalb so gerne über sie. Es gibt immer wieder Situationen, die mich zum Nachdenken bringen oder in denen ich selbst manche Ansichten verwerfe oder neu erkennen darf. Ich wünsche dir ganz viele solcher Momente mit deinem Hund und danke dir von Herzen für deinen wertschätzenden Kommentar. ❤️

      Liebe Grüße, Franziska

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