Zweithund ja oder nein?
Meine Erfahrungen mit zwei Hunden: Von der Entscheidung bis zum Alltag
Als Quentin zu Ellie kam, hatte ich längst Erfahrung mit mehreren Hunden. Trotzdem entwickelte sich ihr Zusammenleben anders als bei den Konstellationen davor. Für die Entscheidung über einen Zweithund ist genau das wichtig: Was verändert sich im gemeinsamen Alltag und kannst du beiden auch dann gerecht werden, wenn sie ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben?
ANZEIGE – Seite einschließlich Kommentare enthält Werbung, Affiliate-Links sowie teilweise KI-bearbeitete Bilder
Inhaltsverzeichnis:
- Meine Erfahrungen mit Zweithunden: Warum Quentin zu uns kam
- Zweithund eingewöhnen: Wie Ellie und Quentin zu einem Rudel wurden
- Vor dem Zweithund: Meine Überlegungen zum Alltag mit zwei Hunden
- Herkunft: Zweithund vom Züchter oder aus dem Tierschutz?
- Rüde oder Hündin? Welche Konstellation funktioniert?
- Altersunterschied Ersthund Zweithund: Wie viele Jahre sollten dazwischenliegen?
- Braucht mein Hund einen Zweithund? Mein persönlicher Rückblick
- FAQ – Zweithund Ja oder Nein?
Ein Zweithund soll einziehen. Grundsätzlich ja ein schöner Gedanke. Der Hund bekommt Gesellschaft, man selbst hat zwei Hunde und irgendwann laufen alle gemeinsam durch den Wald. So zumindest stellen es sich viele Hundehalter vor.
Auch ich habe im Laufe meines Lebens immer wieder einen Zweithund aufgenommen. Angefangen bei unserem Golden Retriever Rex über Trinity, Paul und Ellie bis zu Quentin und Rudi. Mit jedem neuen Hund veränderte sich unser Zusammenleben und mit ihm auch mein Alltag. Ich begann Beziehungen zu beobachten, Entscheidungen für zwei unterschiedliche Charaktere zu treffen und lernte, wie sich ein Rudel entwickelt.
Heute würde ich sagen: Mit einem Zweithund zieht nicht einfach ein weiterer Hund ein. Es verändert sich das Zusammenleben mit beiden. Auch mit meiner Erfahrung gab es bei Ellie und Quentin Entwicklungen, die ich vorher so nicht absehen konnte. Dass ein Hund gern Kontakt zu Artgenossen hat, heißt noch nicht, dass er unbedingt einen Zweithund im eigenen Zuhause braucht. Die wichtigere Frage ist, ob du mit zwei Hunden leben möchtest und beiden auch dann gerecht werden kannst, wenn sie unterschiedliche Bedürfnisse haben.
Meine Erfahrungen mit Zweithunden und warum Quentin zu uns kam
Ich wuchs in einer Hundehalterfamilie auf. Aber unsere Mehrhundehalterkarriere begann erst während meines Schulpraktikums beim ortsansässigen Tierarzt. Ein Hund sollte eingeschläfert werden. Nach einem längeren Gespräch mit den damaligen Besitzern erfuhr ich, warum, und lernte den Hund kennen. Du kannst es dir wahrscheinlich schon denken: Danach war klar, dass er nicht eingeschläfert wird.
Bereits am nächsten Tag besuchten wir Rex und nahmen ihn sofort mit. Unser erster Zweithund. Denn bei uns lebte bereits Anchy, eine Cavalier King Charles Spaniel Hündin im Alter von sieben Jahren. Nachdem Anchy starb, lebte Rex eine Zeit lang alleine bei uns. Später holte ich meine erste eigene Hündin zu mir, die Mischlingshündin Trinity. Sie kam als Welpe zu mir. Als ich wieder kurzzeitig bei meinen Eltern wohnte, wurde sie quasi unser zweiter Zweithund. Nach Rex zog Paul als Welpe mit acht Wochen bei uns ein und lebte mit Trinity zusammen. Nachdem meine Hündin verstarb, kam Ellie zu Paul dazu, der sicher und souverän bei der Erziehung mithalf. Dann zog Quentin ein. Genau genommen ist er also ein Dritthund (aber eigentlich auch nicht, denn Ellie, Quentin und ich lebten in einer eigenen Wohnung unweit meiner Eltern entfernt).
Warum ich damals einen Zweithund für Ellie wollte
Meine Ellie war zunächst Reitbegleithund. Auf dem Pferdehof lebten auch zwei Katzen. Unfreiwillig, denn sie wurden von der Vorbesitzerin dort ausgesetzt. Und wie es halt manchmal so ist, nahm ich die beiden im Winter immer mit in meine Wohnung. Meine Ellie kannte Katzen und kam mit den beiden super klar. Der kleinere Kater erkrankte an akutem Nierenversagen und verstarb. Immer wenn ich mit Ellie unterwegs war, saß Garfield also nun alleine in der Wohnung. Das bereitete mir Bauchschmerzen. Also beschlossen wir im Familienrat, dass Garfield in das Haus meiner Eltern (mit Garten) umzieht. Dort lebte bereits eine Katze, unsere 16jährige Trixie und der Golden Retriever Paul. Somit war Garfield nie alleine.
Dafür war Ellie nun allein in meiner Wohnung, wenn ich arbeiten war. Ich wollte sie aber nicht auch noch meinen Eltern aufdrücken. Also beschloss ich, einen Zweithund aufzunehmen.
Mein Gedanke: Dann ist Ellie nicht allein, wenn ich nicht da bin.
Mehr als vier Stunden war ich nie weg. Trotzdem tat es mir halt leid. Ellie war damals drei Jahre alt und wir hatten unseren gemeinsamen Alltag inzwischen ganz gut im Griff. Meine Prinzessin hatte schließlich durchaus ihre eigenen Vorstellungen davon, wie unser Zusammenleben aussehen sollte. Für mich fühlte sich die Zeit deshalb richtig an, einen zweiten Hund aufzunehmen.
Was sich dann veränderte, hatte ich so nicht geplant.
Zweithund eingewöhnen: Wie Ellie und Quentin zu einem Rudel wurden
Mein Border Collie Rüde stammt aus einer VDH-Zucht und ich hatte das Glück, den Wurf sehr früh entdeckt zu haben. Nach einem Telefonat mit der Züchterin durfte ich die kleinen Welpen bereits mit fünf Tagen besuchen. Ich entschied mich für den ruhigsten und dicksten Kloß in diesem Haufen kleiner Hunde, die zu diesem Zeitpunkt eher Meerschweinchen ähnelten als Border Collies.
Als ich Quentin das zweite Mal besuchte, war er fünf Wochen alt. Da lernte er auch Ellie kennen. Und wie ich schon vermutet hatte, konnte sie mit diesem komischen kleinen Fellknäuel so gar nichts anfangen. Mit acht Wochen habe ich Quentin abgeholt. Natürlich gemeinsam mit meiner Ellie.
Die Autofahrt nach Hause verlief ohne Probleme. Doch Ellies Blick, als sie realisierte, dass dieses kleine komische Ding jetzt mit in unsere Wohnung kommt, war Gold wert. Zugegeben, sie schien zu überlegen, was man damit wohl anfangen könnte. Die beiden spielten und kuschelten zwar miteinander, doch draußen beim Spazierengehen wollte sie nichts von ihm wissen.
Das ging ungefähr ein Jahr lang so. Es gab Ellie und mich und Quentin und mich. Aber ein Rudel aus Ellie und Quentin? Da ließ sich die Prinzessin Zeit. Ich drängte sie auch zu nichts.
Während dieser Zeit begannen wir, die Schafe des Schäfers aus unserem Dorf zu hüten. Einen Schafumtrieb im Juli habe ich noch bildlich vor Augen. Quentin war gerade ein Jahr alt geworden und Ellie bekam ein Schaf nicht dazu, weiterzugehen. Sie schaute mich fragend an und ich setzte Quentin ein. Er ist da etwas konsequenter als Ellie und schaffte es, dass das Schaf weiterlief. Das war sie. Die eine kleine Situation.
Ein kurzer Blick von Ellie zu Quentin. Man konnte die Glühbirne in ihrem Kopf sehen. Ellie hatte erkannt, dass man mit diesem Zweithund doch etwas anfangen konnte. Und ich wusste: Jetzt habe ich verloren. Denn die Hunde arbeiteten nun zusammen. Was nicht immer zu meiner Freude ausfiel.
Was die Eingewöhnung von Ellie und Quentin erleichtert hat
Bei Ellie und Quentin habe ich von Anfang an auf ein paar Dinge geachtet, die sich für uns im Alltag bewährt haben.
- Getrennte Futterplätze: Beide Hunde haben von Anfang an gemeinsam im selben Raum gefressen. Ihre Näpfe standen allerdings mit etwas Abstand voneinander. So hatte jeder seinen eigenen Platz zum Fressen.
- Jeder Hund bekam seinen eigenen Schlafplatz: Ellies Bett blieb Ellies Bett. Quentin bekam von Anfang an seinen eigenen Schlafplatz. Wenn Ellie später entschied, dass er sich zu ihr legen durfte, war das völlig in Ordnung. Sie durfte selbst bestimmen, wie viel Nähe sie zu ihm wollte.
- Zeit mit jedem Hund einzeln, ohne den anderen auszuschließen: Ich habe mit beiden Hunden immer wieder einzeln gearbeitet. Während einer dran war, wartete der andere und schaute zu. So konnte ich mich in diesem Moment ganz auf den jeweiligen Hund konzentrieren.
- Gemeinsame Spaziergänge mit Rücksicht auf beide Hunde: Unsere Spaziergänge fanden grundsätzlich gemeinsam statt. Wurde Quentin als Welpe unterwegs müde, habe ich ihn einfach getragen. So konnte Ellie ihre gewohnte Runde weiterlaufen und Quentin musste nicht mehr leisten, als er konnte. Heute ist das übrigens genau andersherum. Ellie wird öfter mal getragen. Als Seniorhündin braucht sie inzwischen mehr Unterstützung und Quentin bekommt trotzdem seine Bewegung.
- Ich habe nichts erzwungen: Das war wahrscheinlich der wichtigste Punkt überhaupt. Ich habe Ellie nie dazu gedrängt, mit Quentin zu spielen oder ständig Kontakt zu ihm aufzunehmen. Sie durfte selbst entscheiden, wann sie Nähe zulässt.
Rückblickend glaube ich, dass genau diese Geduld ein wichtiger Grund dafür war, dass die beiden später zu einem so guten Team geworden sind.
Mit einem zweiten Hund braucht es oft auch manches doppelt: einen eigenen Napf, einen eigenen Schlafplatz und je nach Alltag weiteres Zubehör. Was sich bei uns über die Jahre bewährt hat, habe ich auf meiner Zubehörseite zusammengestellt.
Vor dem Zweithund: Meine Überlegungen zum Alltag mit zwei Hunden
Vor Quentins Einzug habe ich trotzdem noch einmal gerechnet, gedacht, überlegt und wieder gedacht. Ellie war drei, unser Alltag eingespielt. Mit einem zweiten Hund würden sich Erziehung und Dynamik verändern, zusätzliche Kosten entstehen und manches im Alltag neu organisiert werden müssen.
Genau diese Folgen wollte ich vorher möglichst realistisch durchdenken. Denn mit der Entscheidung für einen Zweithund entscheidet man sich auch für alles, was im täglichen Leben mit zwei Hunden dazukommt.
Erziehung mit zwei Hunden: Jeder steht an einem anderen Punkt
Vor Quentins Einzug hatte ich zwei Sachen im Kopf: was er als Welpe erst lernen würde und was Ellie weiterhin von mir brauchte.
Mit einem zweiten Hund läuft Erziehung nämlich nicht einfach zweimal gleich ab. Was bei dem einen Hund wunderbar funktioniert, kann den anderen völlig kaltlassen.
Das beginnt bereits beim ganz normalen Spaziergang. Während der eine Hund entspannt an lockerer Leine läuft, muss der andere vielleicht erst noch lernen, sich an dir zu orientieren. Der eine kennt deine Regeln seit Jahren, der andere steht noch ganz am Anfang. Beide brauchen trotzdem deine Aufmerksamkeit. Du kannst dich also nicht ausschließlich auf den Neuzugang konzentrieren, denn dein erster Hund braucht dich genauso wie vorher. Seine Regeln verschwinden schließlich nicht, nur weil ein zweiter Hund eingezogen ist.
Dazu kommt, dass sich beide Hunde gegenseitig beobachten. Was auch bedeutet: Hat einer eine blöde Idee, dauert es manchmal erstaunlich kurz, bis der andere sie ebenfalls ausprobiert. Gilt für gute Ideen natürlich auch.
Ich habe deshalb beide Hunde von Anfang an immer wieder auch mal einzeln trainiert. So konnte ich mich auf den jeweiligen Hund konzentrieren, ohne dass der andere ständig mitentscheidet oder sich einmischt.
Bei zwei Hunden kann auch Bellen schnell zum Gemeinschaftsprojekt werden. Schau deshalb genauer hin: Warum bellt dein Hund überhaupt, was steckt hinter seinem Verhalten und was braucht er in diesem Moment von dir?
Rudeldynamik: Wenn ein Blick zwischen zwei Hunden reicht
Mit einem Hund triffst du viele Entscheidungen allein. Mit zwei Hunden reicht manchmal ein kurzer Blick zwischen den beiden und plötzlich ist die Entscheidung bereits gefallen.
Beim Schafumtrieb hatte Ellie offenbar verstanden, dass Quentin Dinge übernehmen konnte, bei denen sie selbst nicht weiterkam. Und genau das begann sie später auch im Alltag für sich zu nutzen. Manchmal genügte ein Blick von ihr und Quentin übernahm. Wenn zwei Hunde zusammenarbeiten, ist das aber nicht mehr ganz so lustig und auch nicht mehr ganz so einfach. Damit wurden Situationen, die mit einem Hund überschaubar waren, plötzlich komplizierter, weil ein Rudel oftmals anders reagiert als ein einzelner Hund. Du kennst sicherlich den Spruch: „Zu zweit fühlt man sich stärker“.
Früher konnte ich mich auf einen Hund konzentrieren. Jetzt musste ich beide gleichzeitig lesen. Wer schaut wen an? Wer trifft die eigentliche Entscheidung? Wer reagiert nur auf den anderen? Bei Hunden können solche Absprachen verdammt schnell laufen und du musst sehr genau auf die Körpersprache deiner Hunde achten, um rechtzeitig eingreifen zu können.
Anzeige
Bei Ellie und Quentin zeigt sich besonders deutlich, wie viel schon passiert, bevor einer von beiden reagiert. Solche feinen Veränderungen zeigt auch ein einzelner Hund im Alltag. „Ausdrucksverhalten beim Hund“ beschreibt, was hinter dieser Körpersprache steckt.
Damit wird das Leben mit zwei Hunden aber auch besonders spannend. Nach und nach entsteht aus zwei einzelnen Hunden ein Team. Sie beobachten sich gegenseitig, orientieren sich aneinander und beeinflussen sich ständig. Das kann unglaublich hilfreich sein. Es kann aber genauso gut dazu führen, dass sich Unsicherheiten oder unerwünschte Verhaltensweisen gegenseitig verstärken.
Mir wurde irgendwann klar, dass ich nicht mehr nur zwei Hunde führte. Ich führte ihre Beziehung zueinander gleich mit.
Seitdem schaue ich bei einer Reaktion immer auch auf den anderen Hund. Nicht selten liegt der eigentliche Auslöser nämlich gar nicht bei dem Hund, der aktiv reagiert. Ellie blickt zu Quentin, Quentin handelt.
Aber gerade dieses Zusammenspiel finde ich bis heute spannend. Ich beobachte unglaublich gern, wie die beiden miteinander kommunizieren und sich gegenseitig unterstützen. Mit einem zweiten Hund verändert sich eben auch das, was zwischen den Hunden passiert und worauf du im Alltag achten musst.
Zusätzliche Kosten mit einem Zweithund
Vor Quentins Einzug habe ich nicht einfach den bisherigen Monatsbetrag verdoppelt. Futter und Tierarzt waren klar, aber damit war die Rechnung längst nicht fertig.
Bei der Hundesteuer kommt es zum Beispiel auf die Gemeinde an. Der zweite Hund kann genauso viel kosten wie der erste, mancherorts wird er aber auch höher besteuert. Hinzu kommen Haftpflicht- und Krankenversicherung, die laufenden Futterkosten sowie regelmäßige Tierarztbesuche.
Dann sind da natürlich noch die Dinge, die jeder Hund für sich braucht. Zwei Näpfe und zwei Schlafplätze hatten wir ohnehin schon auf dem Zettel. Manches Zubehör lässt sich teilen, anderes muss zum jeweiligen Hund passen und deshalb zusätzlich angeschafft werden. Und ja, ein Staubsaugerbeutel reicht auch nicht mehr so lang wie früher.
Schwieriger zu berechnen sind die Kosten, die erst später entstehen. Wird einer der Hunde krank, braucht eine größere Behandlung oder plötzlich dauerhaft anderes Futter, kann aus einer überschaubaren monatlichen Rechnung schnell deutlich mehr werden.
Genau deshalb habe ich bei den Kosten nicht nur auf das geschaut, was jeden Monat sicher anfällt. Für mich musste auch klar sein, dass zwei Hunde finanziell noch tragbar sind, wenn bei einem von beiden etwas dazukommt.
Anzeige
Gerade die Ausgaben, die vorher niemand berechnen kann, waren für mich als ehemalige Tierarzthelferin ein Grund, auch Quentin von Anfang an zu versichern. Bei AGILA sind meine Hunde seit über 20 Jahren versichert und die Abwicklung war für mich bisher unkompliziert und schnell.
Alltag mit zwei Hunden: Was sich praktisch verändert
Mit einem Zweithund verändert sich nicht nur der Alltag zu Hause. Auch Urlaub, Krankheit, Wohnungssuche oder Besuche bei Familie und Freunden laufen anders ab. Vieles davon merkt man erst, wenn man tatsächlich mit zwei Hunden lebt.
| Lebensbereich | Das verändert sich mit einem Zweithund |
|---|---|
| Urlaub | Urlaub mit zwei Hunden braucht mehr Planung. Bei Unterkünften muss ausdrücklich geklärt sein, dass zwei Hunde erlaubt sind. Manche verlangen pro Hund einen Aufpreis, andere nehmen grundsätzlich nur einen. Auch im Auto oder Camper braucht jeder seinen Platz. Bleiben die Hunde zu Hause, muss die Betreuung mit beiden klarkommen. |
| Krankheit eines Hundes | Nach Quentins Kreuzbandrissen durfte er zeitweise nur kurze, kontrollierte Runden laufen. Ellie brauchte ihre Spaziergänge trotzdem. Solche Phasen lassen sich mit zwei Hunden eben nicht einfach gemeinsam erledigen. |
| Wenn du selbst ausfällst | Für zwei Hunde brauchst du im Ernstfall jemanden, der beide übernehmen kann. Gerade wenn sie unterschiedlich geführt werden müssen, reicht es nicht, dass jemand grundsätzlich „mit Hunden kann“. |
| Wohnungssuche | Bei einem Umzug reicht die Frage „Hund erlaubt?“ nicht mehr. Es muss definitiv mit dem Vermieter geregelt sein, ob zwei Hunde akzeptiert werden. Dadurch kann die Auswahl deutlich kleiner werden, selbst wenn dein erster Hund bisher nie ein Problem war. |
All diese Punkte spielten für mich eine Rolle, bevor Quentin einzog und ich hatte sie vor seinem Einzug durchdacht und geregelt. Aber: dass ein zweiter Hund grundsätzlich in unseren Alltag passte, beantwortete noch lange nicht die nächste Frage: Welcher Hund würde überhaupt zu Ellie passen?
Herkunft: Zweithund vom Züchter oder aus dem Tierschutz?
Meine eigenen Hunde kamen bis auf Rex immer vom Züchter. Rex haben wir ausgewachsen von privat übernommen. Dazu kommt meine Zeit im Tierheim, in dem ich mit sehr unterschiedlichen Tierschutzhunden gearbeitet habe.
Deswegen ist mir eine Trennung an der Stelle sehr wichtig: Ein Hund vom Züchter muss kein Welpe sein und ein Tierschutzhund kann genauso gut noch sehr jung sein. Für die Auswahl eines Zweithundes, egal ob aus dem Tierschutz oder vom Züchter, sind für mich ganz andere Punkte relevant:
Ich möchte wissen, was über sein bisheriges Leben bekannt ist und wie es gesundheitlich aussieht. Vor einer Entscheidung für oder gegen einen Hund gehört für mich außerdem dazu, dass sich beide Hunde kennenlernen.
Vorgeschichte: Was über den Zweithund bereits bekannt ist
Jeder Hund bringt bereits Erfahrungen mit, ganz unabhängig davon, ob er vom Züchter, aus dem Tierschutz oder aus privater Abgabe kommt. Auch ein Welpe hat seine ersten Lebenswochen hinter sich und in dieser Zeit schon einiges kennengelernt. Bei einem älteren Hund ist die Vorgeschichte entsprechend länger. Wie gut sie sich nachvollziehen lässt, ist von Hund zu Hund verschieden.
Deshalb würde ich möglichst genau nachfragen, was über sein bisheriges Leben bekannt ist:
- Wie und mit wem hat der Hund bisher gelebt?
- Was kennt er schon aus seinem Alltag?
- Hat er bereits mit anderen Hunden oder weiteren Tieren zusammengelebt?
- Wie reagiert er auf andere Hunde und Tiere?
- Wie verhält er sich gegenüber fremden Menschen?
- Gibt es Situationen, in denen er unsicher oder angespannt reagiert?
Nicht auf jede dieser Fragen wird es eine Antwort geben. Gerade bei Hunden aus dem Tierschutz kann ein Teil der Vorgeschichte fehlen. Aber auch bei einem Hund vom Züchter würde ich nicht automatisch davon ausgehen, alles über sein bisheriges Leben zu wissen. Manche wurden an den Züchter zurückgegeben und dadurch weiß auch er nicht alles über den Hund.
Eine lückenhafte oder schwierige Vorgeschichte macht einen Hund für mich aber nicht automatisch zu einem schlechteren Zweithund. Ich möchte nur so genau wie möglich wissen, was er bereits kennt und an welchen Stellen noch Fragen offen sind.
Auch beim Lernstand würde ich weder vom Alter noch von der Herkunft auf den Hund schließen. Ein Welpe kann bereits vieles kennengelernt haben, während ein ausgewachsener Hund (zum Beispiel ein ehemaliger Straßenhund) Stubenreinheit, Leinenführigkeit oder Rückruf vielleicht erst noch lernen muss. Genauso kann ein älterer Hund in diesen Dingen längst sicher sein.
Der neue Hund braucht dafür Zeit und Aufmerksamkeit in seinem neuen Zuhause. Gleichzeitig läuft das Leben mit dem ersten Hund weiter. Genau darin liegt für mich eine der Herausforderungen mit zwei Hunden: Beide bringen ihre eigenen Erfahrungen mit und können im Alltag an ganz unterschiedlichen Stellen Unterstützung brauchen.
Gesundheit: Was ich vor dem Hundeeinzug abklären würde
Vor Quentins Einzug war für mich auch die Gesundheit ein Thema. Nicht nur seine, sondern ebenso Ellies.
Durch meine Arbeit als Tierarzthelferin wusste ich, dass ein neuer Hund gesundheitlich einiges mitbringen kann. Flöhe und Würmer gehören dabei noch zu den offensichtlicheren Parasiten. Andere Erkrankungen fallen einem Hund dagegen nicht unbedingt sofort an. Bei Hunden aus dem Ausland kommen je nach Herkunft außerdem Krankheiten wie Leishmaniose, Ehrlichiose oder Babesiose infrage.
Vor einer Entscheidung solltest du dir vorhandene Unterlagen zeigen lassen und konkret nachfragen:
- Welche Untersuchungen wurden bereits gemacht?
- Gibt es bekannte Erkrankungen oder gesundheitliche Auffälligkeiten?
- Liegen tierärztliche Befunde vor?
- Gibt es einen EU Heimtierausweis oder Impfpass und welche Impfungen sind dort eingetragen?
- Ist der Hund gechippt und stimmt die Chipnummer mit den Unterlagen überein?
- Wann wurde er zuletzt gegen Parasiten behandelt?
- Welche zusätzlichen Untersuchungen kommen aufgrund seiner Herkunft infrage?
Auch ein Hund vom Züchter ist nicht automatisch gesund. Dort kannst du dir zusätzlich die Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere zeigen lassen. Ist der Hund bereits älter, gehören seine eigenen bisherigen Befunde genauso dazu.
Eine Untersuchung beim Tierarzt gehört für mich vor beziehungsweise kurz nach dem Einzug auf jeden Fall dazu. Bei einem Hund aus dem Ausland solltest du dort auch besprechen, welche zusätzlichen Tests gemacht werden können und zu welchem Zeitpunkt. Manche Erkrankungen lassen sich nicht unmittelbar nach der Einreise zuverlässig nachweisen.
Bei Quentin hatte ich dabei immer auch Ellie im Kopf. Schließlich zieht der neue Hund nicht allein ein.
Wenn du dir unsicher bist, wie du den Gesundheitszustand eines Hundes überhaupt einschätzen kannst, zeige ich dir, worauf ich schon beim ersten Kennenlernen achte:
Vergesellschaftung: Wie gut passen die Hunde zusammen?
Für mich war bei der Entscheidung eine andere Frage viel wichtiger als die Herkunft des Hundes:
Wie gut passt der neue Hund zu dem Hund, der bereits bei mir lebt?
Ein erstes Kennenlernen (vor dem Hundeeinzug oder deiner Entscheidung) der beiden Hunde auf neutralem Boden kann darauf schon Hinweise geben. Am besten bleibt es nicht bei einer einzigen Begegnung. Ein Hund kann beim ersten Treffen aufgeregt oder unsicher sein, beim nächsten schon ganz anders reagieren.
Mit dem Einzug beginnt die eigentliche Vergesellschaftung. Beide Hunde müssen sich aneinander gewöhnen und erst herausfinden, wie ihr gemeinsamer Alltag funktioniert. Nähe, Abstand, Ruhezeiten oder gemeinsame Situationen spielen sich nicht automatisch in wenigen Tagen ein. Die ersten Wochen sind dabei nur der Anfang. Wie lange zwei Hunde brauchen, bis sie wirklich miteinander vertraut sind, lässt sich vorher kaum sagen.
In dieser Zeit bist auch du gefragt. Schau genau hin, wie beide miteinander umgehen, ob einer ständig ausweicht, sich zurückzieht oder immer wieder bedrängt wird. Auch ein Hund, der den Neuzugang zunächst scheinbar problemlos akzeptiert, muss mit der neuen Situation erst einmal zurechtkommen. Vor allem deshalb würde ich die Vergesellschaftung nicht an einem einzigen guten ersten Treffen festmachen. Interessanter ist, wie sich der Kontakt über mehrere Begegnungen und später im gemeinsamen Alltag entwickelt.
Anzeige
Egal, für welchen Hund du dich entscheidest, nach dem Einzug beginnt der eigentliche Alltag. „Darf`s einer mehr sein?“ von Rolf C. Franck hat mir trotz meiner Erfahrung viele praktische Denkanstöße gegeben, damit aus mehreren einzelnen Hunden Schritt für Schritt ein harmonisches Rudel werden konnte.
Warum ich mich für einen Welpen vom Züchter entschieden habe
Als ich nach einem Zweithund gesucht habe, war Ellie drei Jahre alt. Ich kannte ihre Reaktionen auf andere Hunde und wusste, wo ihre Grenzen lagen. Bei uns lebten außerdem Katzen, und der Hund meiner Eltern gehörte fest zu unserem Alltag. Der neue Hund kam also in ein Umfeld, in dem bereits mehrere Tiere zusammenlebten.
Die Wahl fiel bewusst auf einen Welpen vom Züchter. Weil bei uns schon Tiere lebten, wollte ich einen Hund, der ohne negative Vorerfahrungen zu uns kommt und dessen bisherige Entwicklung ich nachvollziehen konnte. Bei Quentin wusste ich, wie er aufgewachsen war, was er schon kannte und was noch neu für ihn war. Mit seiner Züchterin stand ich eng in Kontakt und habe ihn vor dem Einzug dreimal besucht. Quentin war für mich am Tag der Abholung also kein völlig unbekannter Hund.
Auch meine Arbeit spielte mit hinein. Ich war teilweise im Büro. Ellie und Quentin mussten also auch gemeinsam zu Hause bleiben können. Ich wollte ihre Entwicklung miteinander deshalb von Anfang an begleiten und früh merken, wenn es zwischen den beiden irgendwo schwierig wird.
Für unsere damalige Situation fühlte sich ein Welpe vom Züchter deshalb stimmiger an. Das war meine Entscheidung für Ellie und Quentin, aber keine allgemeine Empfehlung für jeden Zweithund.
Bist du unsicher, hol dir Unterstützung. Ein erfahrener Hundetrainer kann deinen Ersthund im Hundekontakt einschätzen und das Kennenlernen begleiten. Woran du eine gute Hundeschule oder einen guten Trainer erkennst:
Rüde oder Hündin als Zweithund? Welche Konstellation passt?
Rüde oder Hündin als Zweithund? Dazu halten sich einige Regeln hartnäckig: Zwei Rüden würden ständig ihre Rangordnung klären, zwei Hündinnen seien besonders schwierig und Rüde plus Hündin gilt oft als die unkomplizierteste Kombination.
Ich habe im Laufe der Jahre mehrere dieser Konstellationen selbst erlebt. So eindeutig war es bei uns nie. Ganz egal ist das Geschlecht trotzdem nicht.
Ist Rüde und Hündin also tatsächlich die beste Kombination? Und was ist dran an der Behauptung, dass es zwischen zwei Hündinnen häufiger schwierig wird?
Rüde und Hündin gelten oft als die unkomplizierteste Kombination. Man sollte dabei allerdings einen Punkt nicht vergessen: Sind beide Hunde unkastriert, spielt die Läufigkeit zwangsläufig eine Rolle. Dann geht es um Deckverhalten, eine sichere Trennung während der Stehtage und darum, eine ungewollte Trächtigkeit zu verhindern. Als Quentin einzog, war Ellie bereits seit einem Jahr kastriert. Dieses Thema stellte sich für uns deshalb überhaupt nicht.
Zwei Rüden haben dagegen schnell den Ruf, ständig ihre Kräfte messen oder die Rangordnung klären zu müssen. Meine eigenen Erfahrungen sehen deutlich entspannter aus. Quentin lebte viele Jahre gemeinsam mit dem Golden Retriever Paul. Natürlich mussten beide miteinander klarkommen und ihre Grenzen kennenlernen. Ernsthafte Probleme gab es zwischen ihnen deswegen nie.
Beide waren im Umgang mit anderen Hunden sicher und wussten sehr genau, wann der andere seine Ruhe wollte. Genau das war für ihr Zusammenleben wesentlich wichtiger als die Tatsache, dass beide Rüden waren.
Zwei Hündinnen gelten oft als die schwierigere Kombination. Ganz aus der Luft gegriffen ist das nicht. In verhaltenstierärztlichen Fallserien sind gleichgeschlechtliche Paare, besonders Hündinnen, unter den Haushalten mit ernsthaften Konflikten überdurchschnittlich vertreten. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass zwei Hündinnen grundsätzlich häufiger Probleme miteinander haben. Die Studien zeigen lediglich, dass die Wahrscheinlichkeit für schwerwiegende Konflikte in dieser Konstellation höher sein kann. Viele leben jahrelang völlig problemlos zusammen.
Bei Quentin spielte sein Geschlecht für meine Entscheidung nur eine Nebenrolle. Ich wollte nicht unbedingt einen Rüden. Für mich passte genau dieser Hund zu Ellie, und genau darauf kam es mir an.
Übrigens blieb Quentin nicht lange der Jüngste. Einige Jahre später zog mit Rudi erneut ein Welpe bei uns ein. Es entstand wieder eine völlig neue Hundekonstellation: diesmal mit einem jungen Rüden, einem erwachsenen Rüden und einer älteren Hündin:
Altersunterschied Ersthund Zweithund: Wie viele Jahre sollten dazwischenliegen?
Ellie war drei Jahre alt, als Quentin einzog. Damit lagen wir ziemlich genau in dem Altersabstand, der bei einem Zweithund häufig empfohlen wird. Geplant hatte ich den Zeitpunkt danach allerdings nicht.
Das war bei meinen früheren Hunden nicht anders. Anchy war sieben, als der vierjährige Rex zu uns kam. Auch zwischen ihnen lagen drei Jahre. Zwischen Rex und Trinity waren es sechs Jahre, zwischen Paul und Trinity acht, zwischen Paul und Ellie zwei und zwischen Ellie und Quentin wieder drei Jahre. Drei Jahre auf dem Papier sagen schließlich noch wenig darüber aus, wie weit der Ersthund im Alltag ist. Gleichzeitig spielt das Alter des neuen Hundes eine Rolle, denn beide müssen mit ihren jeweiligen Bedürfnissen zusammenleben.
Warum werden also ausgerechnet zwei bis vier Jahre so häufig genannt und wie viel sagt diese Empfehlung für die eigene Entscheidung tatsächlich aus?
Warum zwei bis vier Jahre Altersunterschied oft empfohlen werden
Die Empfehlung hat einen recht einfachen Hintergrund: Mit zwei bis vier Jahren ist der Ersthund kein Welpe mehr und der gemeinsame Alltag hatte Zeit, sich einzuspielen. Wie weit ein Hund tatsächlich ist, lässt sich an seinem Geburtstag allerdings kaum festmachen. Der eine ist mit zwei schon ziemlich souverän, der andere hat mit drei noch genug eigene Baustellen.
Auch körperlich liegen die Hunde bei diesem Abstand häufig noch recht nah beieinander. Gemeinsame Spaziergänge, Wanderungen oder Hundesport lassen sich leichter auf beide abstimmen, wenn Kondition und Bewegungsbedürfnis ähnlich sind. Bei einem größeren Altersabstand liegen die Bedürfnisse mitunter deutlich weiter auseinander. Dann braucht einer schon mehr Ruhe oder gesundheitliche Rücksicht, während der andere noch deutlich mehr Bewegung möchte. Das bedeutet nicht, dass ein Welpe und ein Senior grundsätzlich nicht zusammenpassen. Es bedeutet lediglich, dass du deinen Alltag stärker an die unterschiedlichen Bedürfnisse beider Hunde anpassen musst.
Genau daher kommen die oft genannten zwei bis vier Jahre. Für mich sind sie eine Orientierung, mehr nicht. Zwischen meinen Hunden lagen schließlich auch sechs oder acht Jahre. Ob der Zeitpunkt für einen Zweithund passt, hängt für mich viel stärker davon ab, wie gefestigt eure Beziehung ist und wie harmonisch euer Alltag verläuft.
Wann ist dein Ersthund bereit für einen Zweithund?
Ob dein Ersthund zwei, drei oder sechs Jahre alt ist, sagt noch wenig darüber aus, wie sicher euer gemeinsamer Alltag inzwischen läuft. Für mich zählt an dieser Stelle viel mehr, wie gut du deinen Hund kennst und wie verlässlich ihr miteinander seid.
Ein paar Fragen helfen dabei mehr als die Zahl im Impfpass:
- Wie sicher funktionieren eure Regeln im Alltag?
- Kannst du seine Reaktionen in unterschiedlichen Situationen gut einschätzen?
- Wie verhält er sich im Kontakt mit anderen Hunden?
- Braucht er selbst noch viel Unterstützung oder Orientierung?
- Gibt es Verhaltensweisen, bei denen ein zweiter Hund zusätzliche Unruhe hineinbringen könnte?
- Bleibt auch dann genug Aufmerksamkeit für deinen Ersthund, wenn der Neue anfangs deutlich mehr Zeit braucht?
Ein gefestigter Ersthund bringt etwas mit, das im Alltag mit zwei Hunden enorm hilfreich ist: Er kennt eure Abläufe bereits. Füttern, Spaziergänge, Ruhezeiten oder Regeln zu Hause sind für ihn nichts Neues. Der Zweithund kommt damit in einem Zusammenleben an, das an vielen Stellen schon funktioniert. Und dieses Gefühl hatte ich mit Ellie, als ich mich für Quentin entschied.
Erziehungsbasis: Warum es zu diesem Zeitpunkt für uns passte
Mit drei war Ellie für mich an einem Punkt, an dem vieles einfach saß. Der Rückruf funktionierte, wir hatten unseren Spaß im Hundesport gefunden und waren als Team zusammengewachsen. Auch ihr Verhalten gegenüber anderen Hunden war gefestigt. Die wilde Sturm und Drang Phase lag hinter ihr. Aus dem hypigen Border Collie war ein erwachsenes Hundemädchen geworden. Flausen hatte sie natürlich immer noch im Kopf. Aber das waren die lustigen, die ich an ihr mochte. Unser Alltag hatte sich längst eingespielt und ich wusste ziemlich genau, wie Ellie in den unterschiedlichsten Situationen reagierte.
Auch rundherum passte es. Garfield fühlte sich bei meinen Eltern wohl, und Ellie und Paul waren miteinander so vertraut, dass ein dritter Hund im Alltag mitlaufen konnte. Die drei Jahre Altersunterschied zwischen Ellie und Quentin waren also nicht geplant. Sie haben sich daraus ergeben, dass es für uns genau zu diesem Zeitpunkt passte.
Anzeige
Du kannst dir viele Gedanken machen und die Voraussetzungen für einen Zweithund sorgfältig prüfen. Trotzdem läuft nicht immer alles nach Plan. Genau deshalb solltest du deine Hunde absichern. Seit über 20 Jahren sind alle unsere Hunde bei der AGILA versichert.
Welches Alter sollte der Zweithund haben: Welpe, Junghund, erwachsener Hund oder Senior?
Beim Altersunterschied zählt nicht nur, wie viele Jahre zwischen beiden Hunden liegen. Du holst dir mit dem Zweithund auch eine bestimmte Lebensphase ins Haus. Und die verändert den Alltag mit deinem Ersthund.
- Welpe: Mit einem Welpen beginnt vieles wieder von vorn. Er muss häufiger raus, braucht viel Betreuung und kann bei längeren Spaziergängen oder anderen Unternehmungen noch nicht einfach mitlaufen. Ein Teil des Alltags wird sich anfangs also aufteilen. Die Frage ist, wie dein Ersthund damit zurechtkommt und ob du beiden trotzdem das geben kannst, was sie brauchen.
- Junghund: Ein Junghund bringt meist schon mehr Ausdauer mit, steckt aber noch mitten in seiner Entwicklung. Pubertät, wechselnde Konzentration und Grenzen austesten gehören je nach Hundecharakter dazu. Hast du mit deinem Ersthund selbst noch genügend Baustellen, holst du dir möglicherweise die nächste direkt dazu.
- Erwachsener Hund: Bei einem erwachsenen Hund weißt du häufig schon mehr darüber, wie viel Bewegung er braucht, wie sein Tagesrhythmus aussieht und wie er sich im Alltag verhält. Das macht es leichter zu beurteilen, ob seine Bedürfnisse zu denen deines Ersthundes passen. „Erwachsen“ sagt dabei nichts darüber aus, ob ein Hund ruhig, unkompliziert oder besonders genügsam ist.
- Senior: Bei einem Senior stellt sich eine andere Frage: Möchtest du möglicherweise zwei Hunde begleiten, die zeitlich nah beieinander in eine Lebensphase mit mehr gesundheitlichen Themen und Betreuung kommen? Das muss kein Nachteil sein. Für den eigenen Alltag macht es aber einen Unterschied, ob diese Phasen nacheinander kommen oder sich überschneiden.
Die Lebenserwartung der jeweiligen Hunderasse solltest du bei deiner Entscheidung ebenfalls berücksichtigen. Zwischen einem Chihuahua und einer Deutschen Dogge können viele Lebensjahre liegen. Dadurch verändert sich auch der Zeitraum, in dem beide Hunde gemeinsam alt werden (dazu aber gleich mehr).
Am Ende hilft die reine Alterszahl also nur begrenzt. Schau darauf, wie die Lebensphasen beider Hunde zueinander passen: Wie viel Bewegung braucht jeder, wie viel Ruhe, wie viel Betreuung und wie gut lässt sich das in deinem Alltag miteinander verbinden.
Rasse und Lebenserwartung: Was der Altersabstand allein nicht zeigt
Drei Jahre Altersunterschied sagen zunächst nur, wie weit die Geburtstage zweier Hunde auseinanderliegen. Für die weitere Planung gehört auch dazu, wie alt Hunde der jeweiligen Rassen typischerweise werden.
Eine große britische Auswertung von 2024 mit mehr als 580.000 Hunden zeigt, wie unterschiedlich das aussehen kann. Jack Russell Terrier und Labrador Retriever lagen dort mit 13,3 und 13,1 Jahren fast gleichauf. Die deutlich unterschiedliche Körpergröße sagt in diesem Fall also erstaunlich wenig über die Lebensspanne aus. Beim Berner Sennenhund und Border Collie lagen die Werte dagegen bei 10,1 und 13,1 Jahren. Hier stehen drei Jahre zwischen zwei Rassen, die sich später auch im gemeinsamen Älterwerden bemerkbar machen können.
Zur Lebenserwartung kommen die rassetypischen Grundbedürfnisse. Ein Jack Russell stammt aus der Jagd, der Labrador aus der Apportierarbeit, der Border Collie aus der Hütearbeit und der Berner war Wach-, Zug- und Treibhund. Das gibt dir Anhaltspunkte dafür, was ein Hund körperlich und im Kopf mitbringen könnte. Wie stark sich diese Anlagen zeigen, ist bei jedem Hund anders. Es gibt gemütliche Jack Russells, Berner mit ordentlich Pfeffer und Border Collies, die auf Hundesport herzlich wenig Lust haben.
Anzeige
„Hunderassen“ von Gansloßer, Adler und Braun erklärt, welchen Anteil die Vererbung an Verhalten und Persönlichkeit hat und was das für Gesundheit, Erziehung und Training bedeutet. Dieses Wissen gibt dir ein realistisches Bild vom späteren möglichen Alltag mit einem Rasse- oder Mischlingshund.
Schau bei der Wahl deines Zweithundes deshalb auf zwei Ebenen: auf die Lebenserwartung und die Grundbedürfnisse der Rasse und auf den Hund, der tatsächlich vor dir steht. Wie aktiv ist er? Was macht ihm Spaß? Wie viel Ruhe braucht er? Wie sieht es gesundheitlich aus?
Der Abstand zwischen zwei Geburtstagen bleibt damit nur der Ausgangspunkt. Erst zusammen mit Rasse, Gesundheit und dem konkreten Hund wird daraus etwas, mit dem du für euren Alltag planen kannst.
Ab wann gilt ein Hund eigentlich als Senior, welche Bedürfnisse verändern sich mit dem Alter und was bedeutet das im Alltag? Bei meiner fast 14-jährigen Ellie erlebe ich diese Veränderungen inzwischen sehr deutlich:
Braucht mein Hund einen Zweithund? Mein persönlicher Rückblick
Der Satz wird wahrscheinlich viele überraschen. Ellie brauchte keinen Zweithund.
Als Quentin einzog, sah ich das noch anders. Garfield war zu meinen Eltern gezogen und Ellie blieb während meiner Arbeitszeit bis zu vier Stunden allein. Mein Gedanke war simpel: Mit einem zweiten Hund ist sie nicht mehr allein. Rückblickend war das vor allem meine Begründung für etwas, das ich selbst wollte. Ellie war nicht unglücklich und ihr fehlte nichts. Ich wollte Quentin. Ich wollte mit zwei Hunden leben.
Dass das nicht immer einfach wird, war mir klar. Aber besonders deutlich wurde mir das erst, als Quentin seine Kreuzbandrisse hatte. Über Wochen durfte er nur wenige Minuten laufen. Ellie dagegen war gesund und wollte beschäftigt werden. Quentin konnte aber auch nicht alleine zu Hause bleiben. Ohne die Unterstützung meiner Eltern hätte ich diese Zeit kaum bewältigen können. Auch Ellies Sandkolik, als ich plötzlich im Urlaub mit ihr in die Tierklinik musste. Ohne Unterstützung wäre das schwierig geworden.
Trotzdem war es für mich eine gute Entscheidung. Mit Ellie und Quentin habe ich noch einmal sehr viel über Hunde gelernt. Ich habe genauer gesehen, wie fein sie miteinander kommunizieren, wie unterschiedlich sie dieselbe Situation erleben und wie sich ihre Beziehung über Jahre verändert. Vieles davon hätte ich mit nur einem Hund so nie erlebt. Irgendwann arbeiteten die beiden zusammen, machten gemeinsam Unsinn und entwickelten ihre ganz eigene Art miteinander. Das war schön zu beobachten. Ellie musste all das vorher aber nicht vermissen, damit es später zu ihrem Leben gehören durfte.
Die Frage „Braucht mein Hund einen Zweithund?“ würde ich deshalb umformulieren: Will ich selbst mit zwei Hunden leben? Bei Quentin war meine Antwort ja. Deshalb zog er ein.
Wie unser Alltag aussieht, was wir auf Reisen erlebt haben und welche Themen mich vom Welpen bis zum Senior begleitet haben, habe ich auf meiner Themenseite gesammelt:
FAQ: Zweithund Ja oder Nein? Die wichtigsten Fragen kurz beantwortet
Die Entscheidung für einen Zweithund lässt sich nicht pauschal beantworten. Jeder Hund bringt seine eigene Persönlichkeit, seine eigenen Erfahrungen und seine eigenen Bedürfnisse mit. Deshalb können diese Antworten nur eine erste Orientierung geben.
Wenn du dir unsicher bist, ob dein Ersthund bereit für einen Zweithund ist oder welcher Hund am besten zu euch passt, solltest du dir unbedingt persönliche Unterstützung holen. Ein Tierarzt kann gesundheitliche Fragen beurteilen, ein erfahrener Hundetrainer oder eine gute Hundeschule helfen dabei, das Verhalten deines Hundes realistisch einzuschätzen und eine passende Entscheidung zu treffen. Ich würde dabei immer eine persönliche Beratung vor Ort einem Video auf YouTube oder pauschalen Tipps vorziehen. Schließlich geht es um zwei individuelle Hunde. Und die kann man nur beurteilen, wenn man sie auch live erlebt.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Zweithund?
Ein festes Alter gibt es dafür nicht. Dein Alltag mit dem Ersthund sollte stabil laufen, du solltest seine Reaktionen gut kennen und genug Zeit, Geld und Spielraum für zwei Hunde haben. Die häufig genannten zwei bis vier Jahre Altersabstand sind eine Orientierung, keine Voraussetzung.
Braucht mein Hund unbedingt einen Zweithund?
Nein. Ein Hund braucht nicht automatisch einen zweiten Hund, um zufrieden zu leben. Frag dich deshalb auch, ob du selbst mit zwei Hunden leben möchtest und den zusätzlichen Aufwand dauerhaft tragen willst.
Welches Geschlecht sollte ein Zweithund haben?
Eine pauschal beste Kombination gibt es nicht. Bei einem unkastrierten Rüden und einer unkastrierten Hündin spielt die Läufigkeit eine zusätzliche Rolle. Zwei Rüden oder zwei Hündinnen können genauso gut zusammenleben. Schau vor allem darauf, wie die Hunde miteinander umgehen und was jeder von ihnen mitbringt.
Kann ein älterer Hund einen Welpen akzeptieren?
Ja. Das Alter allein beantwortet diese Frage allerdings nicht. Schau darauf, wie dein älterer Hund auf junge Hunde reagiert, wie viel Ruhe er inzwischen braucht und ob sich die unterschiedlichen Bedürfnisse beider Hunde in deinem Alltag auffangen lassen.
Welchen Altersunterschied sollten Ersthund und Zweithund haben?
Zwei bis vier Jahre werden häufig als Orientierung genannt. Für deine Entscheidung gehören aber auch Entwicklungsstand, Lebensphase, Rasse, Lebenserwartung, Gesundheit und Temperament beider Hunde dazu. Derselbe Altersabstand sieht bei zwei Hundepaaren im Alltag oft völlig unterschiedlich aus.
Woran erkenne ich, dass mein Hund keinen Zweithund möchte?
Das lässt sich nicht an einer einzelnen Reaktion festmachen. Wiederholter Stress im Hundekontakt, dauerhaftes Ausweichen oder Begegnungen, die immer wieder in Konflikte kippen, solltest du ernst nehmen. Bist du dir bei deinem Hund unsicher, hol dir Unterstützung. Ein erfahrener Hundetrainer kann ihn im Kontakt mit anderen Hunden beobachten und einschätzen.
Ich bin Franziska von mitohnehund.de. Ich war Tierarzthelferin, habe die Begleithundeprüfung mit Sachkundenachweis abgelegt, im Hundesport trainiert, Schafe mit Border Collies gehütet, Welpen großgezogen, meine Hunde durch Krankheiten begleitet und Seniorhunde gehen lassen. Meinen Alltag und das Reisen teile ich seit über 40 Jahren mit Hunden.
Was ich hier schreibe, entsteht aus Erfahrung, aus Fachwissen und aus vielen Jahren, in denen ich mit Hunden gelebt und gearbeitet habe. Und ich schaue immer wieder neu hin. Auf die Hunde, auf das Leben mit ihnen und auch auf mich selbst.
Ich hab viel erzählt, jetzt bist du dran. Möchtest du einen Zweithund und hast noch Fragen? Oder hast du schon selbst Erfahrungen mit zwei oder mehr Hunden gesammelt? Schreib’s in die Kommentare. Ehrlich. Direkt. Mit Namen – oder anonym. Ich lese alles. Und ich antworte.
Ihr seit ein tolles Gespann! Deine Erfahrungen und Beobachtungen sind für jeden Hundehalter ein Schatz an Wissen, welche nicht belehrend wirken, sondern ein Spiegelbild deines Lebens mit Hunden zeigen. Danke für deine Offenheit und noch viele schöne Momente mit deinen Fellnasen. 🫶
Liebe Iris,
vielen Dank. Das macht mich richtig stolz! Und genau das mein Gedanke hinter der Website. Ich habe nicht den Anspruch, jemandem zu sagen, wie Hundehaltung funktionieren „muss“. Ich erzähle einfach von unserem Weg – mit allem, was dazugehört. Wenn sich andere darin wiederfinden oder etwas für sich mitnehmen können, dann hat sich das Schreiben für mich gelohnt. Danke, dass du dir die Zeit für diesen Kommentar genommen hast. ❤️
liebe Grüße,
Franziska
Also deine Erfahrungen die du mit deinen Hunden gemacht hast , hast du auf ein2 unglaublich verständliche , spannende und liebevolle Weise festgehalten.
Ich bewundere dein Wissen , deine Geduld und dein feines Gespür für deine Hunde .
Danke , dass du das alles mit deinen Lesern teilst . Es war mir eine große Freude deine Zeilen zu lesen und bin bemüht auch meinen Hund so gut wie möglich zu verstehen und zu lesen .
Vielen Dank und weiterhin viel Spaß mit dein Fellnasen Ellie und Quentin
Liebe Evi,
vielen Dank. Das bedeutet mir wirklich viel. Auch ich lerne (trotz meiner Erfahrungen) jeden Tag etwas Neues von meinen Hunden. Wahrscheinlich schreibe ich genau deshalb so gerne über sie. Es gibt immer wieder Situationen, die mich zum Nachdenken bringen oder in denen ich selbst manche Ansichten verwerfe oder neu erkennen darf. Ich wünsche dir ganz viele solcher Momente mit deinem Hund und danke dir von Herzen für deinen wertschätzenden Kommentar. ❤️
Liebe Grüße, Franziska